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Menschen mit Behinderung: Hilfe beim Umgang mit Ämtern und Behörden

Rendsburg/Kiel, 25. Januar 2017 I Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein unterstützt Menschen mit Behinderung, ihre Interessen gegenüber Ämtern und Behörden durchzusetzen. Dazu hat jetzt nach einer Planungsphase das Projekt „Auf Augenhöhe“ seine praktische Arbeit aufgenommen. „Sich im Ämterdschungel zurechtzufinden, ist für Menschen mit Behinderung oft eine große Herausforderung“, so die Projektkoordinatorin Barbara Carstensen. „Deshalb stellen wir ihnen speziell ausgebildete, ehrenamtliche Teilhabebegleiter zur Seite. Sie helfen den Betroffenen passgenaue Hilfeleistungen zu beantragen.“

Bei dem Projekt geht es um Hilfeleistungen der öffentlichen Hand, die es Menschen mit Behinderung ermöglichen sollen, am sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben. Dazu gehören beispielsweise Werkstätten, spezielle Bildungsangebote oder eine Begleitung im Wohnumfeld. Wer diese Leistungen in Anspruch nehmen möchte, muss zunächst mit dem Sozialleistungsträger einen Teilhabeplan erarbeiten. Dort wird der persönliche Hilfebedarf festgestellt.

In diesem Prozess erhalten die Betroffenen nun Unterstützung von sachkundigen Helfern. „Sie sollen gewährleisten, dass die Leistungsberechtigten auf einem ähnlich hohen Wissens- und Informationsstand wie die Hilfeplanerinnen und –planer bei den Behörden sind“, so die Projektkoordinatorin Carstensen. Um die Akzeptanz zu erhöhen, kommen sogenannte Peers zum Einsatz. Das sind Menschen in vergleichbaren Lebenssituationen, die eigene Erfahrungen im Hilfesystem haben, beispielsweise Werkstattbeschäftigte oder Angehörige. Sie werden speziell zu Teilhabebegleitern qualifiziert und können zudem rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen. „Das ist für mich eine interessante ehrenamtliche Aufgabe“, sagte Teilhabebegleiter Arne Schäpe zu seiner Motivation. „Es freut mich, mit den eigenen Erfahrungen anderen Menschen helfen zu können.“

Darüber hinaus bietet das Projekt eine kostenlose Rechtsberatung zum Thema Eingliederungshilfe an. „Diese umfasst alle Leistungen für Menschen mit Behinderungen, die vom Sozialhilfeträger gezahlt werden“, beschreibt Jurist Henning Leuckfeld vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein seinen Aufgabenbereich. „Dazu gehört insbesondere die Aufklärung darüber, wer zuständiger Kostenträger im Bereich der Teilhabeleistungen ist und wie Anträge rechtsklar gestellt werden.“ Die Beratung kann von Angehörigen, Betroffenen, Eltern sowie den Einrichtungen und Diensten in Anspruch genommen werden.

In den vergangenen Monaten durchlief das Projekt eine Testphase im Kreis Schleswig-Flensburg. Dabei ließen sich erste Teilhabebegleiter in einer zweiteiligen Schulung zu Experten in eigener Sache ausbilden. Gleichzeitig wurde das Projekt im Kreis Schleswig-Flensburg verschiedenen Institutionen und Einrichtungen, darunter der Sozialhilfeträger, vorgestellt. Inzwischen kamen erste Teilhabebegleiter zum Einsatz, vor allem in Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Sie konnten Fragen zu Anträgen und Ämtern beantworten. Von kommendem Februar an werden vierzehntägig in Schleswig in Räumen des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg Beratungsgespräche angeboten. 

Die Verwaltung des Kreises Schleswig-Flensburg hat das Projekt sehr positiv aufgenommen: „Vor dem Hintergrund, dass Leistungsberechtigte immer wieder von Ängsten sprechen, die sie bei oder vor Hilfeplangesprächen haben, hoffen wir, dass diese durch das Projekt abgebaut werden können“, sagt der Sachgebietsleiter für die Eingliederungshilfe André Holtz. „Ein Gespräch ohne Ängste oder Vorbehalte ist immer zielführender und angenehmer und führt im Endeffekt dazu, in einer offenen, gleichberechtigten Atmosphäre die bestmögliche Hilfe zu finden.“            

In den kommenden Monaten sollen nun in weiteren Kreisen Teilhabebegleiter ausgebildet werden und zum Einsatz kommen. Darüber hinaus werden zusätzliche Beratungsstunden in Kiel und im Kreis Dithmarschen angeboten. Das Projekt „Auf Augenhöhe in der Teilhabeplanung“ hat zunächst eine Dauer von drei Jahren. Die Kosten von insgesamt 200.000 EURO werden gemeinsam vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein und mehreren diakonischen Einrichtungen getragen. 

Für Rückfragen:

Friedrich Keller…...Pressesprecher, Diakonisches Werk Schleswig-Holstein,

                                  Tel: 04331-593 197; Mobil: 0174-94 500 90