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Wohnungslosigkeit: Immer mehr Menschen suchen Rat und Hilfe

Rendsburg, Lübeck, 21. März 2016 I Die Zahl der Wohnungslosen und von Wohnungslosigkeit Bedrohten in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. In den Beratungsstellen und Notunterkünften der Diakonie wurden rund 6.500 Rat- und Hilfesuchende gezählt. Das waren gut 1.000 mehr als 2014. Die Ordnungsämter registrierten weitere 741 Fälle. Vor diesem Hintergrund begrüßt das Diakonische Werk die Förderrichtlinie der Landesregierung zum Bau zusätzlicher Wohnungen, fordert gleichzeitig aber zusätzliche Anstrengungen von Land und Kommunen. Unterdessen versuchen die Vorwerker Diakonie und der HEMPELS e.V., mit der Anmietung sowie dem Kauf von Wohnungen neue Perspektiven für Wohnungslose zu eröffnen.

Besonders angespannt ist die Lage in den vier kreisfreien Städten. In Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster nahmen im vergangenen Jahr mehr als 4850 Menschen die diakonischen Beratungsstellen und Notunterkünfte in Anspruch. Aber auch in Mittelzentren wie Heide, Pinneberg und Husum verzeichnete die Diakonie ein deutliches Plus bei den Rat- und Hilfesuchenden. „Wir schätzen, dass die Dunkelziffer noch sehr viel höher liegt“, sagt Landespastor Heiko Naß. „Diese Entwicklung ist ein weiterer Hinweis dafür, dass es trotz guter Konjunktur und sinkender Arbeitslosenzahlen Personengruppen gibt, die weiter dauerhaft von Armut betroffen oder bedroht sind.“

Eine wesentliche Ursache ist neben den ganz persönlichen Notlagen der Betroffenen der anhaltend hohe Druck auf dem Markt für bezahlbare Wohnungen. Während immer mehr Sozialwohnungen aus der Bindung fallen, wächst gleichzeitig die Zahl der Bedürftigen. Dabei haben neben Studenten, Hartz-IV-Empfängern und Flüchtlingen die Wohnungslosen meist die schlechtesten Chancen, bei der Vergabe von Wohnungen zum Zuge zu kommen. „Wer überschuldet ist, einen Schufa-Eintrag hat oder unter psychischen Problemen leidet, wie viele unserer Klienten und Klientinnen, dem bleibt der erneute Zugang zum Mietmarkt oft versperrt“, erläutert Heike Raddatz-Kossak von der Vorwerker Diakonie. Landespastor Heiko Naß befürwortet deshalb den von Landesregierung und Wohnungswirtschaft geplanten Bau neuer Wohnungen in Schleswig-Holstein. „Die Förderrichtlinie zum Sonderprogramm ‚Erleichtertes Bauen‘ ist ein wichtiges Signal. Wir vermissen allerdings eine verbindliche Regelung für ein Kontingent an Wohnungen, die allein Wohnungslosen zur Verfügung stehen. Nur so kann verhindert werden, dass sie gegenüber anderen Bedürftigen benachteiligt werden.“

Um zeitnah Abhilfe zu schaffen, verfolgt die Vorwerker Diakonie in Lübeck ein neues Konzept. Sie mietet Wohnungen an, die dann an Menschen weiter vermietet werden, die schon länger in einer Notunterkunft leben. Hinzu kommt eine abgestimmte Betreuung der Betroffenen. „Die Wohnungseigentümer haben den Vorteil, dass alle Risiken wie Mietausfall oder befürchtete Schäden durch die Vorwerker Diakonie abgedeckt werden. Auf diese Weise wollen wir in einem Jahr 50 Wohnungslosen eine Perspektive für normalen Wohnraum bieten“, so Heike Raddatz-Kossak.

Der HEMPELS e.V. mit Sitz in Kiel geht einen ähnlichen Weg. Der Verein plant noch in diesem Jahr zunächst in der Landeshauptstadt erste Wohnungen zu kaufen oder feste mobile Wohneinheiten zu schaffen. „Diese sollen dann an Wohnungslose vermietet werden. Bei Bedarf können sie dort auch die Hilfe von Sozialarbeitern in Anspruch nehmen“, sagt Vorstand Lutz Regenberg. Um das Projekt finanzieren zu können, wurde 2014 unter dem Dach der Diakonie Stiftung Schleswig-Holstein die gemeinnützige HEMPELS Stiftung gegründet. Sie sammelt Mittel, um entsprechende Immobilien erwerben zu können. „Angesichts der großen Zahl an Wohnungslosen in Schleswig-Holstein wissen wir, dass wir mit unseren Projekten allein das Problem nicht lösen können“, so Heike Raddatz-Kossak und Lutz Regenberg. „Wir wollen damit aber ein klares Signal setzen.“

Für Rückfragen:

Friedrich Keller…...Pressesprecher, Diakonisches Werk Schleswig-Holstein,

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