Den Auftakt bildete am Dienstag eine Tagung in Kiel, auf der Landespastorin Petra Thobaben, Sprecherin des Vorstand des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein, einen erneuerten Gesellschaftsvertrag“ forderte, in dem es gelingen müsse, Reichtum an seine soziale und gesellschaftliche Verantwortung zu binden. In Schleswig-Holstein leben 13,1 Prozent der Menschen, etwa 360.000, unterhalb der Armutsschwelle, das heißt, mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens. Für eine vierköpfige Familie liegt dieser Grenzwert derzeit bei 1.720 Euro monatlich. Armut und soziale Ausgrenzung betrifft verschiedenste gesellschaftliche Gruppen: Wohnungs- und Obdachlose, Kinder und alte Menschen oder Menschen mit Behinderung, die nach wie vor vielfach sozial ausgegrenzt sind.
Die Schuldnerberatungsstellen in Schleswig-Holstein, von denen die Diakonie 18 Beratungsstellen betreibt, verzeichnen seit Jahren einen wachsenden Zulauf. Rund 100.000 Haushalte (sieben Prozent) in Schleswig-Holstein sind überschuldet. Der letzte Landesarmutsbericht von 1999 hatte noch 80.000 Haushalte ausgewiesen. Auffällig zugenommen haben die Verfahren zur Verbraucherinsolvenz: In den vergangenen zehn Jahren in Schleswig-Holstein von rund 100 im Jahr 1999 auf 4.350 im vergangenen Jahr.
In Schleswig-Holstein geben derzeit 48 Tafeln, davon 15 in kirchlich-diakonischer Trägerschaft, Lebensmittel, zum Teil auch warme Mahlzeiten, an bedürftige Menschen aus. 34 Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, fast alle kirchlich-diakonisch, bieten Unterkunft für wohnungs- oder obdachlose Menschen. 24 Beratungsstellen helfen den Betroffenen, wieder eine eigene Wohnung zu beziehen. Dennoch leben landesweit rund 670 Personen ohne jede Unterkunft auf der Straße. Auffällig in diesem Bereich ist die Zunahme der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dennoch ist die Zahl der Wohnungslosen in Schleswig-Holstein in den vergangenen zehn Jahren durch intensive Bemühungen der Beratungsstellen von etwa 13.000 auf rund 7.500 gesunken.
Die Nachfrage nach Sozialberatung nimmt stetig zu, insbesondere nach Einführung der Hartz-IV-Gesetze. 45 diakonische Sozialberatungsstellen (insgesamt landesweit 51) mit 180 Mitarbeitenden – Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Psychologen – unterstützen Rat und Hilfe suchende Menschen. Der letzte Armutsbericht der Landesregierung wurde im Jahr 1999 herausgegeben. Schleswig-Holstein ist damit Schlusslicht unter den Bundesländern. Kein anderer Landesarmutsbericht ist älter als sechs Jahre. Landespastorin Thobaben kündigte in Kiel an, dass sich die Diakonie in Schleswig-Holstein an einer Sozialschutz-Berichterstattung des Landes intensiv beteiligen wird.








