Diakonie startet Projekt in Schleswig-Holstein: Alleinerziehende auf dem Lande

In Schleswig-Holstein leben 89.000 Mütter und Väter, die ihre Kinder unter 18 Jahren allein erziehen. Bundesweit gibt es bislang keine aussagekräftigen Studien, die die Lebenslagen Alleinerziehender auf dem Lande untersucht haben. Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein hat jetzt mit Unterstützung des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Kiel eine umfangreiche Untersuchung mit dem Thema: „Soziale Ungleichheiten in Schleswig-Holstein am Beispiel Alleinerziehender in ländlichen Räumen“ gestartet.

Landespastorin Petra Thobaben erklärte bei der Vorstellung des Projekts am Montag in Kiel: „Alleinerziehende sind überdurchschnittlich von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Wir müssen mehr wissen über ihre Lebensumstände - in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein besonders im ländlichen Raum. Wir wollen mit unserem Projekt nicht nur Daten erheben, sondern mit den Alleinerziehenden und ihren Kindern Lebensumstände wirksam verbessern“.

Thobaben bemängelte, dass in Schleswig-Holstein eine systematische Sozialberichterstattung fehlt. Der letzte Landesarmutsbericht aus dem Jahr 1999 würde keine zielgerichtete Sozialplanung ermöglichen. Hier bilde Schleswig-Holstein bundesweit das Schlusslicht. „Die Diakonie kann weder personell noch finanziell ein umfassendes Sozial-Monitoring durchführen, aber wir setzen jetzt mit dem Modellprojekt ‚Alleinerziehende‘ einen Akzent für eine künftige Sozialberichterstattung“, so die Landespastorin.

In Deutschland leben 1,6 Millionen alleinerziehende Mütter und Väter mit 2,2 Millionen Kindern. Von den 89.000 Alleinerziehenden in Schleswig-Holstein sind 77.000 Frauen und 12.000 Männer. Damit wird jedes fünfte Kind von nur einem Elternteil betreut. „Alleinerziehend“ beschreibt unterschiedlichste Lebenssituationen: geschieden, getrennt lebend, in neuer Partnerschaft aber in getrennten Wohnungen, verwitwet oder einfach ledig.

57.000 Alleinerziehende in Schleswig-Holstein sind zwischen 35 und 55 Jahre alt, 12.000 zwischen 25 und 35 Jahren. Weniger als 1.000 Alleinerziehende sind jünger als 25 Jahre.

Erwerbstätig waren im Jahr 2009 zwei Drittel der alleinerziehenden Frauen, mit steigender Tendenz. Die Erwerbstätigkeit liegt um zwei Prozent höher als die von Frauen in so genannten Paarfamilien. 34 Prozent der erwerbstätigen alleinerziehenden Frauen arbeiten Vollzeit, gegenüber 23 Prozent der erwerbstätigen verheirateten Frauen. Alleinerziehende Frauen mit Kindern unter drei Jahren sind nur zu 16 Prozent erwerbstätig.

Das Projekt der Diakonie wird exemplarisch in den Kreisen Ostholstein und Dithmarschen durchgeführt. Hier ist die so genannte Armutsquote überdurchschnittlich hoch. Zusätzliche Erhebungen in Neumünster ermöglichen den Vergleich mit einem städtischen Lebensraum.

„Wir wollen die Erhebung quantitativer Daten, wie sie für eine Sozialberichterstattung üblich und notwendig ist, mit qualitativer Forschung verbinden“, erklärte Professorin Uta Klein vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Kiel. Zur Arbeit des Instituts gehört unter anderem die Auswertung von Interviews, Gesprächen und Diskussionen.

„Neben bereits erhobenen landesweiten Daten fehlen uns fundierte Aussagen aus den Regionen des Landes, zum Beispiel über Bildungsabschlüsse, Wohnsituationen, Krankheitsbilder sowie über Betreuungsangebote oder Beschäftigungsmöglichkeiten“, erklärte Doris Scheer, Referentin im Diakonischen Werk. „Wir brauchen diese Informationen als Basis für eine gezielte Sozialpolitik, um das Armutsrisiko Alleinerziehender und ihrer Kinder zu verringern“.

Das Projekt will alleinerziehende Mütter und Väter in Schleswig-Holstein intensiv beteiligen, „denn sie sind die wahren Expertinnen und Experten für ihre Lebenssituation“, so Doris Scheer. Einbezogen werden außerdem Kirchengemeinden, soziale Dienste und Beratungsstellen, Schulen, Familienbildungsstätten, Job-Center, die Landfrauen und Kreise und Gemeinden.

Während des 30 Monate dauernden Projekts werden auf sechs Regionalkonferenzen in den beteiligten Kreisen Zwischenergebnisse vorgestellt und diskutiert. Zwei überregionale Fachkonferenzen zu Beginn und zum Ende des Projekts ergänzen die Öffentlichkeitsarbeit. Finanziert wird das Projekt überwiegend mit Mitteln der Glücksspirale.

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