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  • Diakonie Schleswig-Holstein

Das Diakonische Werk wird jünger

Neue Mitarbeitende stärken den Landesverband

 

Das Diakonische Werk bleibt in Bewegung. Auch im vergangenen Jahr sind zahlreiche neue Kolleginnen und Kollegen hinzugekommen. Sie arbeiten für die verschiedenen Teams und Fachbereiche oder bringen die neuen Projekte voran. Allen gemeinsam ist das Engagement für die soziale Arbeit. Dafür werden immer wieder neue Ideen und Impulse gebraucht. Zwei der neuen Mitarbeitenden sind Marlen Vogel und Fabian Frei. Wir stellen Ihnen die Beiden stellvertretend für alle neuen Mitarbeitenden vor.   

 

Marlen Vogels Aufgaben im Diakonischen Werk sind vielfältig. Sie organisiert Workshops und Fachsitzungen für das Projekt „Zukunftsszenario Altenhilfe Schleswig-Holstein 2030/2045“. Dazu sucht die Projekt-Koordinatorin nach passenden Teilnehmenden und kümmert sich um den reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen. Außerdem ist es ihre Aufgabe, das Projekt in die Öffentlichkeit zu bringen.

 

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Bei den Projekt-Workshops ist Marlen Vogel stets als Referentin dabei. Foto: Valerie Wagner

 

Ihr macht die Arbeit bei der Diakonie auch deshalb viel Freunde, weil sie großen Rückhalt und Vertrauen von ihrem Teamleiter Dr. Peter Petersen und Landespastor Heiko Naß erfährt. „Bei Unsicherheiten, werde ich immer aufgefangen“, sagt sie. Das tut ihr gut. Denn sie weiß, ein Projekt mit einem Umfang von 200.000 Euro zu koordinieren ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Es wird von mehreren diakonischen und kirchlichen Trägern mitfinanziert und die Erwartungen sind groß.

 

Im Internet wurde Marlen Vogel auf die Stellenausschreibung der Diakonie aufmerksam. Sie bewarb sich und konnte überzeugen. Seit Oktober 2016 sucht sie gemeinsam mit dem Projektpartner ISÖ-Institut für Sozialökologie in Siegburg nach einer guten Altenhilfe der Zukunft. „Das ist spannend, denn ich kann die Altenhilfe in Schleswig-Holstein aktiv mitgestalten“, sagt sie. „Schließlich werden wir alle irgendwann einmal alt und wollen dann eine vernünftige Unterstützung bekommen.“ Die großen Herausforderungen des demografischen Wandels und des gleichzeitigen Fachkräftemangels in der Altenpflege wollen schließlich positiv bewältigt werden.

 

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In ihrem Büro im Martinshaus koordiniert Marlen Vogel das Projekt.

 

Marlen Vogel hat in ihrem Berufsleben bereits viele unterschiedliche Erfahrungen gesammelt, die sie jetzt einbringen kann. Mit 19 Jahren machte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei einem ambulanten Alten- und Krankenpflegedienst in ihrer Heimatstadt Lüneburg. Die Arbeit mit den Menschen machte ihr viel Spaß. Sie beschloss, eine Krankenpflegeausbildung anzuschließen. Jedoch war die Zeit für die Patienten häufig viel zu knapp bemessen und der Arbeitsumfang kaum bis nicht zu schaffen. „In der Krankenpflege herrschte ein extremer Zeitdruck“, sagt sie.

 

Schließlich studierte Marlen Vogel Gesundheitswissenschaften in Hamburg. „Eine gute Entscheidung“, sagt sie heute. Denn neben dem Spaß am Studium hatte sie das große Glück, dass sie für ihren Sohn einen Platz in einer nahen Kita fand. „Die Kritik an der Verschulung der Bachelor-Studiengänge ist berechtigt. Für mich als alleinerziehende Mutter war das allerdings gar nicht so verkehrt“, sagt Marlen Vogel. Denn dadurch war die Kombination mit den Kita-Zeiten relativ einfach. Während der zweiten Schwangerschaft schrieb sie ihre Abschlussarbeit.

 

Vor kurzem ist die 33-Jährige mit ihrem Freund und zweieinhalb Kindern, wie sie sagt, in ein Haus eines 360-Seelen-Dorfes in Schleswig-Holstein gezogen. Zweieinhalb – denn der Sohn ihres Freundes lebt nur ab und an in der Patchworkfamilie. Im Sommer vergangenen Jahres zog es die junge Familie von der Großstadt Hamburg auf’s Land. „Ich bin in einem Dorf in der Nähe von Lüneburg aufgewachsen und ich wollte irgendwann wieder auf dem Land wohnen“, sagt Marlen Vogel. In die Stadt zurück will sie nicht. „Das ist mit zu laut und zu stressig“, sagt sie. Den Job als Projektkoordinatorin beim Diakonischen Werk kann Marlen Vogel gut mit ihrem Familienleben kombinieren. „Ich bin flexibel in der Einteilung meiner Arbeitszeiten“, sagt sie. Perfekt für die junge Familie.

 

 

 

Der Pädagoge Fabian Frei arbeitet seit Frühjahr 2016 als Fachreferent für das Thema Behindertenhilfe im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein. Jonas Czok hat sich mit dem 37-jährigen Familienvater über Teilhabe, das Diakonische Werk und Schreibtischarbeit unterhalten.

 

Moin Herr Frei, sagt man heute eigentlich noch „Behindertenhilfe“?

Man müsste eigentlich richtigerweise sagen: Teilhabe für Menschen mit Behinderungen.

 

Was ist das Problem am Begriff Behindertenhilfe?

Naja, Behindertenhilfe denkt immer in Institutionen. Wir haben sozusagen ein Hilfesystem für Menschen, die Unterstützungsbedarf haben. Das ist eine Perspektive, die an den Strukturen ansetzt. Sinnvoller ist es, den Fokus auf das Thema Teilhabe zu richteten. Also: Was brauchen die Menschen für ein gutes Leben. Deswegen ist Teilhabe am Leben in der Gesellschaft unsere Zielsetzung.

 

Warum haben sie sich damals beim Diakonischen Werk auf die Referentenstelle beworben?

Nach meiner Tätigkeit als Referent für eine Bundestagsabgeordnete war ich Ansprechpartner für ein Inklusionsprojekt in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Das war der erste Berührungspunkt mit dem Thema. Im Anschluss daran war ich fünf Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter eines kleinen Beratungsinstituts, das sich vorwiegend mit innovativen Hilfeleistungen beschäftigte, die auch Menschen mit Behinderungen betreffen. Die Diakonie ist in dem Bereich der Teilhabeleistungen einer der größeren Verbände. Das gefällt mir. Deshalb hat die Stelle mein Interesse geweckt. Ich finde, Teilhabe ist ein zentrales Thema. Es ist ein Menschenrecht für alle mit oder ohne Behinderung, ganz egal. Dafür möchte ich mich einsetzen.

 

Was sind deine Aufgaben als Referent im Diakonischen Werk?

Vor allem beraten wir unsere Träger der Behindertenhilfe und unsere Mitglieder im Verband im Hinblick auf neue Herausforderungen.

 

Was für Herausforderungen sind das?

Das ist derzeit vor allem das Thema Neuausrichtung der Eingliederungshilfe durch das Bundesteilhabegesetz. Das ist im vergangenen Januar in Kraft getreten. Wir müssen uns nun in den nächsten drei Jahren darauf einstellen, dass das ganze Unterstützungs- und Hilfesystem der Leistungen für Menschen mit Behinderungen sich ändern wird. Zum einen müssen die Leistungen künftig personenzentrierter erbracht werden. Zum anderen kommen auf die Leistungserbringer massive Veränderungen und komplett neue Rahmenbedingungen zu. Sie unterliegen dann einem größeren Kostendruck, auch weil der Markt für andere Dienstleister geöffnet wird.

 

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Familie und Beruf lassen sich beim Diakonischen Werk Schleswig-Holstein ideal miteinander vereinbaren, sagt Fabian Frei.

 

Was heißt das für Sie in Ihrer täglichen Arbeit?

Momentan sind wir im Wesentlichen damit beschäftigt, erst einmal das Gesetz zu lesen und seine Folgen zu verstehen. Dann erarbeiten wir Handlungsempfehlungen für unsere Träger. Die Gesetzestexte sind oft sehr allgemein formuliert und haben wenig mit der praktischen Umsetzung zu tun. Das sind Formulierungen drin, die geklärt werden müssen.

 

Heißt das, dass Sie vor allem im Büro arbeiten?

Das ist ein großer Bestandteil meiner Tätigkeit: Schreibtischarbeit. Ich bin aber auch viel unterwegs in ganz Schleswig-Holstein und berate Dienste und Einrichtungen. Auch der Kontakt zum Bundesverband und den Landesverbänden ist wichtig, denn ein zentrales Merkmal dieser Arbeit ist, sich gegenseitig auszutauschen und Empfehlungen auszusprechen. Hinzu kommt die ganz konkrete Beratung von Menschen mit Behinderungen.

 

Wie gut funktioniert das in Schleswig-Holstein?

Im Großen und Ganzen funktioniert das. Doch es besteht immer die Gefahr, dass Menschen nicht das bekommen, was sie brauchen. Manchmal entsteht ein Kostendruck, so dass man weniger auf Qualitätsfragen, sondern mehr auf Kostenaspekte schaut.

 

Ist das der größte Knackpunkt?

Der größte Knackpunkt wird sein, dass wir auch künftig mehr noch die Perspektive der Leistungsberechtigten einnehmen müssen. Also der Menschen, die Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Ansonsten laufen wir Gefahr, ein Angebot zu bekommen, was vielleicht nicht den individuellen Wünschen entspricht.

 

Gibt es neben den fachlichen Herausforderungen für Sie Dinge, die die Diakonie als Arbeitgeber ausmachen?

Es gibt hier eine Vielfalt an Mitarbeitenden mit jüngeren und älteren Kolleginnen und Kollegen. Das ist schon einmal sehr spannend. Hinzu kommt, dass ich viel Rückhalt erfahre. Wertschätzung und Anerkennung für meine Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil hier im Diakonischen Werk. Gleichzeitig kann ich Beruf und Familie hier gut miteinander vereinen. Wenn mal irgendetwas dazwischenkommt, zum Beispiel die Kinder krank sind und ich spontan regieren muss, wird mir viel Verständnis entgegengebracht. Das ist eine große Stütze.

 

Sie sind jetzt seit knapp anderthalb Jahre beim Diakonischen Werk. Wie lautet Ihr bisheriges Fazit?

Ich bin wirklich gespannt, wie es weitergeht. Die vergangenen anderthalb Jahre waren relativ intensiv aufgrund der großen Umbrüche, die wir im meinem Leistungsbereich erfahren haben. Ich hoffe, dass die nächsten Jahre weitere Verbesserungen bringen. Und wenn das so weitergeht, dann haben wir viel zu tun.