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  • Diakonie Schleswig-Holstein

Digitalisierung der Pflege

Abend der Begegnung: Pflege – Chancen und Risiken der Digitalisierung

 

Landespastor Heiko Naß hat sich beim Abend der Begegnung dafür ausgesprochen, beim Einsatz von Robotern und anderen computergestützten Systemen in der Pflege hohe ethische Maßstäbe anzulegen.  "Die Digitalisierung kann zwar dazu beitragen, dass Pflegekräfte entlastet und die Qualität erhöht werden", so Naß, "sie birgt aber auch Risiken. Daten könnten missbraucht und Pflegebedürftige überfordert werden."

Gleichzeitig verwies Landespastor Naß auf die großen Herausforderungen in der Pflege angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels.  Zu dem Jahresempfang des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein in der ACO Thormannhalle in Büdelsdorf waren rund 250 Gäste aus Politik, Kirche, Gesellschaft und diakonischen Einrichtungen gekommen.

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Naß setzt sich für hohe ethische Maßstäbe beim Thema Robotik in der Pflege ein.

 

Im Mittelpunkt des „Abends der Begegnung“ stand ein gemeinsames Projekt der Fachhochschule Kiel und der Diakonie Altholstein. Dabei wird in der Tagespflege und der Demenzwohngruppe im Gustav-Schatz-Hof in Kiel der Einsatz von Robotern getestet. „Grace“ und „Emma“ sollen mit Teilnehmenden und Bewohnern interagieren, zum Beispiel gemeinsam singen und tanzen und damit auch die Pflegekräfte entlasten.

 

 

„Ziel des Projektes ist es, den Einrichtungen nicht einfach ein fertiges Produkt vorzusetzen, sondern gemeinsam Einsatzmöglichkeiten von Robotern in der Pflege auszuloten“, sagte Hannes Eilers, Informatiker an der Fachhochschule Kiel, bei der Präsentation des Projektes.

 

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Hannes Eilers, Informatiker an der Fachhochschule Kiel, hatte beim Abend der Begegnungen seine zwei Roboter „Grace“ (links) und „Emma“ dabei.

 

In der anschließenden Podiumsdiskussion zog Thorben Maack, Pflegedienstleiter am Gustav-Schatz-Hof, eine durchmischte Bilanz. Demnach wurden die Roboter in der Demenzwohngruppe gut angenommen. Die Bewohner nahmen sie als Bereicherung wahr und waren bereit mit ihnen zu interagieren. In der Tagespflege hingegen seien die Reaktionen weniger positiv ausgefallen, so Maack. Hier müssten noch andere Angebote entwickelt werden.

 

 

Am Fachbereich Informatik und Elektrotechnik der Fachhochschule Kiel werden verschiedene Einsatzszenarien für Roboter in der Pflege untersucht. „Pflegepersonal könnte bei einzelnen körperlichen Tätigkeiten, wie beispielsweise dem Hochheben von Patientinnen und Patienten, entlastet oder bei der Begleitung und Überwachung von Pflegebedürftigen unterstützt werden“, sagte Fachbereichsleiter Prof. Jens Lüssem beim Abend der Begegnung.  Um diese Szenarien umsetzen zu können, müssten jedoch Fragen des Datenschutzes und der IT-Sicherheit sowie ethische Aspekte berücksichtigt werden. „Im Rahmen des gemeinsamen Projekts im Gustav-Schatz-Hof sammeln wir jetzt Erfahrungen zum Einsatz von Robotern und können dann die Einsatzszenarien besser beurteilen“, so Lüssem weiter.

 

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Prof. Jens Lüssem von der FH Kiel wies auf offene Fragen des Datenschutzes und der IT-Sicherheit hin.

 

Aus Sicht von Prof. Michael Opielka vom Institut für Sozialökologie in Siegburg werden Roboter künftig gerade im ländlichen Raum eine große Rolle in der Pflege spielen. „Bedingung ist allerdings, dass sie in Übereinstimmung mit den Pflegebedürftigen eingeführt werden und ihr Einsatz auf Vertrauen basiert“, so Opielka.

 

 

Opielkas Institut erarbeitet zurzeit im Rahmen eines gemeinsamen Projektes mit dem Diakonischen Werk Schleswig-Holstein Zukunftsszenarien für die Altenhilfe in ländlichen Räumen. Hintergrund ist der demografische Wandel und der zunehmende Fachkräftemangel.

 

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Für Prof. Michael Opielka (Mitte) werden Roboter künftig eine große Rolle in der Pflege spielen.

 

Landespastor Heiko Naß sprach sich dafür aus, den Einsatz von Robotern in der Pflege dringend nach ethischen Kriterien zu bemessen. „Da stehen wir gerade als Diakonie in der Pflicht! Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Seine Würde zu achten und zu schützen, ist das Maß aller Dinge“, so Naß. „Wir sollten daher klären, wie computergestützte Systeme unser Menschenbild beeinflussen sowie die Persönlichkeitsrechte und den Schutz der Privatsphäre achten, inwieweit sie die Spielräume der Pflegebedürftigen erweitern oder einschränken und in welchem Umfang sie den Alltag der Pflegekräfte verändern.“ Außerdem müsse in der Ausbildung der Pflegekräfte stärker der Einsatz neuer Techniken berücksichtigt werden.

 

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Landespastor Naß wies darauf hin, den Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren.