toggler
  • Diakonie Schleswig-Holstein

Hohe Hürden beim Familiennachzug

Hohe Hürden beim Familiennachzug behindern Integration von Flüchtlingen – Fachtag in Büdelsdorf

 

Die Diakonie und der Flüchtlingsbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein fordern, die hohen rechtlichen und bürokratischen Hürden für den Familiennachzug von Flüchtlingen zügig abzubauen. „Wir begrüßen, dass sich die künftige Landesregierung für vereinfachte Regelungen einsetzen möchte“, so der Flüchtlingsbeauftragte Stefan Schmidt. Nun müssten aber konkrete Schritte folgen. Wie der Familiennachzug besser organisiert und erleichtert werden kann, darüber diskutierten heute Vertreter des Auswärtigen Amtes sowie von Zuwanderungsbehörden und Migrationsfachdiensten bei einem Fachtag in Büdelsdorf.

 

 

In den vergangenen drei Jahren sind rund 50.000 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein gekommen. Viele möchten ihre Familien nachholen. In der Praxis dauert das allerdings zum Teil mehrere Jahre. Grund sind sowohl bürokratische Hürden als auch politisch gewollte Hemmnisse für den Familiennachzug.

 

Schutzsuchende, denen nur subsidärer Schutz gewährt wird, dürfen zurzeit ihre Familien überhaupt nicht nach Deutschland holen. Dazu gehören zum Beispiel viele Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Aber auch Migrantinnen und Migranten mit einem gesicherten Asylstatus werden beim Familiennachzug Steine in den Weg gelegt. So dürfen nur Eheleute sowie minderjährige Kinder oder deren Eltern einreisen. Für ältere Kinder und Geschwister ist der Familiennachzug hingegen nahezu ausgeschlossen.

panthermedia B82810940 800x534 

Außerdem ist es in vielen Fällen sehr aufwendig, die notwendigen Papiere zu besorgen. Gerade in Bürgerkriegsländern wie Syrien fehlt dafür die Infrastruktur. Ein weiteres Problem: Ehegatten, die nach Deutschland einreisen wollen, müssen grundsätzlich einfache Sprachkenntnisse vorweisen. Oftmals sind Sprachschulen für sie aber nicht erreichbar oder sie können sie nicht bezahlen. Auch besteht in den Herkunftsländern meist keine Möglichkeit, Deutsch als Fremdsprache zu praktizieren.

 

„Für Flüchtlinge in Deutschland sind diese Hürden beim Familiennachzug sehr belastend“, sagt Doris Kratz-Hinrichsen, Referentin für Flucht und Migration beim Diakonischen Schleswig-Holstein. „Sie leben in ständiger Sorge um die Sicherheit ihrer Angehörigen und fühlen sich verpflichtet, für deren Lebensunterhalt zu sorgen.“ Das führe zu Perspektivlosigkeit, wirke sich auf die psychische Gesundheit aus und behindere letztlich die Integration in die deutsche Gesellschaft.

 

panthermedia 7274149 800x532

 

Die Diakonie und der Flüchtlingsbeauftragte sehen daher dringend Handlungsbedarf. „Es gibt ausländerrechtlich genügend Möglichkeiten, um die Lage der getrennten Familien zu verbessern“, zeigte sich Stefan Schmidt beim Fachtag in Büdelsdorf überzeugt. „Wünschenswert wäre beispielswiese eine Bundesratsinitiative, die den Familiennachzug auf bis zu 21-jährige unverheiratete Kinder ausdehnt.“ Außerdem sollten auch Flüchtlinge mit subsidären Schutz Familien wieder nachholen dürfen. Hier könne die künftige Landesregierung ihre rechtlichen Spielräume nutzen.

 

Doris Kratz-Hinrichsen sieht auch das Auswärtige Amt in der Pflicht: „Für Angehörige von Flüchtlingen muss der Zugang und die Kommunikation mit den Botschaften und Konsulaten in den Herkunftsländern erleichtert werden. Bei der Beschaffung der notwendigen Papiere und Unterlagen dürfen keine zusätzlichen Hürden aufgebaut werden.“  Darüber hinaus sollte sich die künftige Landesregierung dafür einzusetzen, dass Eheleute nicht mehr vor ihrer Einreise notwendig Deutsch lernen müssen. Dafür gebe es in Schleswig-Holstein ausreichend und oftmals auch bessere Möglichkeiten, so Kratz-Hinrichsen.