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  • Diakonie Schleswig-Holstein

Hohe Lebensqualität für Menschen mit Behinderung

Wissenschaftliche Studie: Werkstätten garantieren hohe Lebensqualität

 

Beschäftigte mit Behinderungen geben den diakonischen Werkstätten in Schleswig-Holstein gute Noten. Das ergibt die aktuelle SROI-Studie* des Forschungsunternehmens xit aus Nürnberg im Auftrag des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein. Demnach schätzen die Werkstattbeschäftigten mit 77 von 100 erreichbaren Punkten ihre Lebensqualität sehr hoch ein. „Dieses Ergebnis zeigt, dass die Werkstätten einen wichtigen Beitrag für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben leisten“, sagt Landespastor Heiko Naß. Die SROI-Studie* bescheinigt den Werkstätten darüber hinaus einen großen gesamtgesellschaftlichen Nutzen.

 

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Im vergangenen Jahr wurden in Schleswig-Holstein rund 1.600 Werkstattbeschäftigte nach ihrer Lebensqualität befragt. Das sind 20 Prozent der insgesamt 8.400 Beschäftigten in den diakonischen Werkstätten. Es ging sowohl um subjektive Kriterien, wie emotionales und materielles Wohlbefinden, als auch um objektive Lebensumstände, wie Art der Arbeit, Fortbildungsmöglichkeiten oder Mitbestimmung. Die Kriterien leiten sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ab.

 

Im Ergebnis wurden unter anderem das emotionale Wohlbefinden (89 von 100 Punkten), die persönliche Entwicklung und Bildung (79/100), die Gestaltungsmöglichkeiten für Umfang und Schwere der Arbeit (76/100) und die sozialen Beziehungen in den Einrichtungen besonders hoch bewertet. Weniger gut haben die Beschäftigten ihr materielles Wohlbefinden (58/100) sowie Beschwerdemöglichkeiten (55/100) eingeschätzt. In der Gesamtbetrachtung ist die Lebensqualität der Werkstattbeschäftigten ähnlich gut wie zum Beispiel die von Studierenden zweier Hochschulen und Angestellten eines Sozialunternehmens, in denen auch Befragungen nach der Lebensqualität durchgeführt wurden.

 

Karl-Heinz Stahlbock, Beschäftigter und Werkstattrat im Eiderheim in Flintbek, bestätigt diese Einschätzung: „Die Arbeit in der Werkstatt ist sehr wichtig für mich. Ich fühle mich anerkannt und weiß, dass meine Arbeit geschätzt wird. Hier kann ich einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Als Werkstattrat bin ich zudem stark in die gesamte Organisation der Arbeit eingebunden.“

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„Die Studie ist ein wichtiger Gradmesser unserer Arbeit“, sagt Andreas Kalkowski, Direktor des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein, einem Träger mehrerer Werkstätten. „Wir werden darin bestätigt, dass unsere Angebote von den Beschäftigten mit Behinderung sehr gut angenommen werden, sie sich weiterentwickeln können und gut aufgehoben fühlen. Gleichzeitig werden noch bestehende Barrieren für eine bessere Teilhabe sichtbar, zum Beispiel bei den Arbeitsentgelten oder dem Übergang zum allgemeinen Arbeitsmarkt.“  

 

Aus Sicht von Landespastor Heiko Naß sind für diese Barrieren aber nicht allein die Werkstätten verantwortlich. „Bei den Arbeitsentgelten haben die Einrichtungen einen nur geringen Spielraum. Darüber müsste eine gesellschaftliche Debatte geführt werden.“ Das Gleiche gelte für den Übergang zum allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes sei begrenzt. Die Zahl der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung liege weit höher als die Zahl der Arbeitslosen insgesamt, so Naß.


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Im Rahmen der SROI-Studie hat das Forschungsunternehmen xit auch den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Werkstätten in Schleswig-Holstein untersucht. Die Wissenschaftler kommen zu der Einschätzung, dass sich die Finanzierung der Einrichtungen durch Land, Kommunen und Bund in Höhe von 186 Millionen Euro auszahlt. Demnach verbessern die Sozialausgaben unmittelbar die Lebensqualität von Menschen mit Behinderung und stärken ihre gesellschaftliche Teilhabe. Außerdem profitieren sowohl der Arbeitsmarkt als auch die regionale Wirtschaft von den Werkstätten. Es werden Arbeitsplätze geschaffen und die Einrichtungen kaufen Dienstleistungen und Produkte. 2.100 Angestellte haben alleine die diakonischen Werkstätten, etwa die gleiche Menge entsteht durch die Nachfrage in der regionalen Wirtschaft. Zusätzlich leisten die Werkstätten durch Kooperationen einen Beitrag zum Erfolg vor allem von mittelständischen Unternehmen. Nicht zuletzt fließt mehr als die Hälfte der öffentlichen Investitionen als Steuern und Sozialabgaben wieder zurück an die öffentliche Hand – das sind gut 100 Millionen Euro.

 

„Mit der Studie können wir verdeutlichen, dass Ausgaben für die Eingliederungshilfe sinnvoll investiertes Geld sind“, betont Landespastor Heiko Naß. „Es handelt sich nicht nur um Kosten, sondern um einen volkswirtschaftlichen Faktor. Vor allem aber tragen sie zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.“