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  • Diakonie Schleswig-Holstein

Flüchtlingsschiff im Kieler Hafen

Aktion informiert über Flucht und ihre Ursachen

In diesem Jahr ist ein ungewöhnliches Schiff zur Kieler Woche gekommen: Die MS Anton hat 70 Passagiere an Bord, die verwundert innehalten lassen. Die Passagiere sind Flüchtlinge, dargestellt durch Skulpturen, die die Besucher der Kieler Woche  stumm und eindringlich ansehen. Die Gesichter erzählen von Armut und von traumatischen Erlebnissen als Flüchtende.

In diesem Jahr ist ein ungewöhnliches Schiff zur Kieler Woche gekommen: Die MS Anton hat 70 Passagiere an Bord, die verwundert innehalten lassen. Die Passagiere sind Flüchtlinge, dargestellt durch Skulpturen, die die Besucher der Kieler Woche  stumm und eindringlich ansehen. Die Gesichter erzählen von Armut und von traumatischen Erlebnissen als Flüchtende.
Der Dänische Künstler Jens Galschiot hat diese Kunstaktion auf einem ehemaligen Fischkutter geschaffen. Kapitän Knut Andersen hat mit diesem Schiff für die Nichtregierungsorganisation „Danish Society for a Living Sea“ schon in vielen Häfen festgemacht  -  jetzt zum weltweit größten Segelereignis in Kiel.
„Mitten im Trubel der Kieler Woche soll dieser eindrucksvolle Blickfang einen Anstoß geben, stehen zu bleiben und sich zu informieren“, erklärte Pastorin Anke Schimmer vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein zur Eröffnung der Aktion in Kiel.
Weltweit sind über 45 Millionen Kinder, Frauen und Männer aus ihren Heimatländern auf der Flucht. Hinzu kommen viele Millionen Menschen, die innerhalb ihrer Länder vertrieben wurden und eine kaum zu schätzende Zahl nicht registrierter Flüchtlinge.
Die Ursachen sind vielfältig: Dazu gehören die Verfolgung wegen ihrer Rasse, ihrer Religion oder ihrer politischen Überzeugung. Verfolgung heißt häufig Vertreibung, Folter oder die Ermordung von Familienangehörigen. Oft sind auch Naturkatastrophen, Kriege oder Hungersnöte die Ursachen.
Der Schleswiger Bischof Gothart Magaard erklärte zur Eröffnung: „Die Zahl derer, die bei uns noch aus eigenem Erleben ihre Fluchtgeschichte erzählen können, ihren Verlust der Heimat zu verkraften hatten, sich in fremder Umgebung, mit anderen Sitten und Regeln einzuleben hatten, nimmt immer weiter ab. Neben den beschämend geringen Aufnahmezahlen und der zu Recht beklagten
Abschottungspolitik der europäischen Regierungen erlebe ich in Schleswig-Holstein aber auch beeindruckende Beispiele von Nächstenliebe: Etwa wenn sich ein ganzes Dorf für ein Kirchenasyl einsetzt oder wenn sich Schleswig-Holsteiner intensiv um neu angekommene Flüchtlinge kümmern, sie betreuen und ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht allein gelassen sind.“  
Die Skulpturen auf dem Fischkutter betonen das Thema Hunger und Armut durch den Einfluss der Europäischen Fischereipolitik. Europäische Fischereifahrzeuge dringen in die nationalen Hoheitsgewässer der Entwicklungsländer ein, um in Europa den Hunger nach Fisch zu stillen. Für die Fischer und ihre Familien an der Küste Westafrikas bedeutet dies keine oder kleine Fische, Verdienstausfall und Armut. Viele Fischer in Afrika verlassen ihre Dörfer auf der Suche nach neuen Verdienstmöglichkeiten. Auch deshalb stranden junge Fischer als Flüchtlinge an den Küsten Europas.
Bis zum Ende der Kieler Woche wird an der MS Anton mit einer Ausstellung über Flucht und ihre Ursachen informiert. Für Fragen und Gespräche stehen Gesprächspartner zur Verfügung: Neben Kapitän Andersen Vertreter von „Brot für die Welt“, Flüchtlingsorganisationen, von NGOs und Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren. An den Vormittagen werden sich Schulklassen aus Schleswig-Holstein in Workshops intensiv mit diesem Thema beschäftigen.
Die MS Anton wird nach der Kieler Woche weitere Ostseestädte besuchen: Ab dem 1. Juli Eckernförde und ab dem 5. Juli Flensburg.
Veranstalter der Aktion sind die evangelische Hilfsorganisation „Brot für die Welt“, das Diakonische Werk Schleswig-Holstein, die Evang.-Luth. Kirche in Norddeutschland, der Flüchtlingsbeauftragte des Landes, der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein und weitere Hilfsorganisationen.