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Kinder mit Behinderung: Was Familien wirklich brauchen - Fachtag in Kiel

Rendsburg, Kiel, 13. September 2016 I Familien mit behinderten Kindern müssen oft wahre Management-Wunder vollbringen und sind großen emotionalen Belastungen ausgesetzt. Was brauchen die Kinder? Aber auch: Was brauchen Geschwister und Eltern? Welche Hilfsangebote gibt es? Und welche Angebote werden dringend benötigt? Diesen Fragen stellten sich Eltern und Fachleute am 7.9.16 bei einer Fachtagung im Landeshaus, die gemeinsam vom Paritätischen Schleswig-Holstein, dem Diakonischen Werk Schleswig-Holstein, dem bpa Schleswig-Holstein und der Lebenshilfe Schleswig-Holstein organisiert wurde.


Professor Dr. Jeanne Nicklas-Faust, Bundesgeschäftsführerin der Bundesvereinigung Lebenshilfe, betonte, dass sich die Bedarfe der Familien mit Kindern mit Behinderung geändert hätten. War es früher üblich, dass Mütter von Kindern mit Behinderung ihre Berufstätigkeit aufgaben, würden
heute die meisten Mütter weiter in ihrem Beruf arbeiten – und somit auch andere Herausforderungen zu meistern haben: „Familien mit behinderten Kindern leben heute anders, normaler, damit spitzen sich die Probleme der Familien jedoch besonders zu.“


Im Fokus standen in den Workshops die ersten sechs Lebensjahre der Kinder, die Übergänge zwischen Krippe, Kindergarten und Schule. Ziel der Veranstaltung war es, Angebotsstrukturen zu identifizieren, Lücken im System aufzuzeigen und Anstöße zur Weiterentwicklung zu geben.
Für Kinder mit Behinderung und ihren Familien nehmen ganzheitliche, familienorientierte Angebote und Dienste einen wichtigen Stellenwert ein, um den besonderen Bedarfslagen gerecht zu werden und für Entlastung zu sorgen.


Gerade für Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr gebe es viele Angebote,
so Petra Opelt vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein. Es fehle hier aber an einer funktionierenden Koordinierung der Hilfen, damit die Eltern nicht überfordert werden. „Die Eltern wünschen sich eine feste Begleitung, eine Anlaufstelle“, so Opelt. Da alle Eltern Kinderärzte aufsuchen, spielen diese eine maßgebliche Rolle beim Zugang zu Hilfen. Oft
sind die regionalen Hilfen den Ärzten aber nicht vollständig bekannt. Auch für die Kinder zwischen ein und drei Jahren gebe es bereits ein vielfältiges Angebot, so Roland Weißwange vom bpa. „Aber dieses Angebot ist nicht flächendeckend, nicht bekannt und nicht vernetzt.“ Es fehle der Zugang
zu Informationen.


Die Eltern der Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren zeigen Zweifel an der Idee der inklusiven Kita, so Bärbel Brüning, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Schleswig-Holstein. „Die Eltern sagen ganz deutlich, dass sie den Erhalt der heilpädagogischen Kita wollen.“ Dort seien ihre Kinder
besser aufgehoben und besser gefördert. Bei inklusiven Kitas seien die Rahmenbedingungen noch nicht entsprechend, Standardlösungen seien nicht ausreichend: „Wir brauchen multiprofessionelle Teams und mehr Flexibilität und Verantwortung bei den einzelnen Kitas selbst.“

Ein großes Problem für Eltern sei zudem der Übergang vom Kindergarten in die Schule, so Brüning: „Die Zuständigkeiten in der Übergangszeit sind nicht geklärt.“ So fehle z.B. eine durchgehende Ferienbetreuung.


„Es zeigte sich, dass es einen allgemeinen Bedarf an persönlicher Begleitung von Anfang an gibt, der besonders an den Übergängen Orientierung für die Eltern bietet“, fasst Alexandra Arnold, Fachreferentin vom Paritätischen Schleswig-Holstein und Fabian Frei vom Diakonischen Werk zusammen. Gerade die Übergänge zwischen den einzelnen Lebensphasen seien die kritischen Stellen.

Für Rückfragen:

Friedrich Keller
Pressesprecher
Diakonisches Werk Schleswig-Holstein
Landesverband der Inneren Mission e. V.
Tel. 04331 5931-97

Jan Dreckmann
Sozialpolitik & Kommunikation
PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband
Schleswig-Holstein e. V.
Tel. 0431 5602-13