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Altenhilfe 2030-2045: Zukunftsszenarien für den ländlichen Raum in Schleswig-Holstein

Rendsburg/Kiel, 28. November 2016 I Die Altenhilfe in den ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins steht vor großen Herausforderungen. Angesichts des demografischen Wandels und zunehmenden Fachkräftemangels müssen neue Wege gefunden werden, um auch künftig die Versorgung alter und pflegebedürftiger Menschen sicherstellen zu können. In einem neuen Projekt entwickelt die Diakonie nun gemeinsam mit dem Institut für Sozialökologie in Siegburg und mit Unterstützung der Kreise Segeberg und Nordfriesland Szenarien für die Altenhilfe der Zukunft. „Als Wohlfahrtsverband wollen wir Verantwortung übernehmen“, sagt Landespastor Heiko Naß. „Mit dem Projekt werden wir wissenschaftlich fundierte Antworten auf eine der drängensten Zukunftsfragen geben.“

Nach Berechnungen des Statistikamtes Nord werden 2030 fast 36 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein 60 Jahre und älter sein. Die Zahl der Hochbetagten steigt bis dahin um 83.500, das ist ein Plus von 53,6 Prozent. Besonders hoch fällt dieser Anstieg in ländlichen Regionen aus. Im Kreis Segeberg wird beispielsweise ein Plus von 71,5 Prozent prognostiziert. (Vgl. https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/L/landesplanung_raumordnung/demografie/landesplanung_demografie)

Ob diese Senioren dann noch ein Leben führen können, wie sie es sich einmal vorgestellt haben, hängt stark von ihrem sozialen Netzwerk und der Infrastruktur ab. Schon heute sind in ländlich geprägten Kreisen stationäre Einrichtungen, Angebote für Tages- und Kurzzeitpflege, Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz oder soziale Treffpunkte deutlich seltener zu finden als in den Städten. Hinzu kommt, dass sich ambulante Pflegedienste aus diesen Gebieten zurückziehen, weil sie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können. Dabei soll die ambulante Pflege eigentlich gegenüber der stationären Pflege gestärkt werden.

„Diese Zahlen und Fakten belegen, dass dringend Handlungsbedarf besteht“, so Landespastor Naß. „Wenn auf dem Lande auch künftig ein gutes Leben im Alter möglich sein soll, müssen neue Strukturen und Angebote geschaffen werden. Das kann nur im Zusammenspiel von freier Wohlfahrtspflege, Kirchengemeinden, Kommunen und ehrenamtlichen Initiativen funktionieren.“

Für die geplanten Zukunftsszenarien werden bestehende Daten etwa zum demografischen Wandel, zum Familienbild, zur Entwicklung der Sozialsysteme oder der Mobilität umfassend ausgewertet und zusammengeführt. Parallel dazu sind Experteninterviews geplant. Beispielsweise sollen Vertreter diakonischer Einrichtungen der Altenhilfe befragt werden, wie sie die Entwicklung in ihrem Tätigkeitsfeld konkret einschätzen und welche Veränderungen sie einfordern. Abschließend werden alle Ergebnisse in Workshops zusammengetragen und gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren aus dem Bereich der Altenhilfe Zukunftsszenarien erarbeitet. Eingebunden sind unter anderem die Kreise, Kirchengemeinden. diakonische Anbieter, Vertreter der Wirtschaft, die Landfrauen aber auch künftige Senioren. Die Kosten für das zweijährige Projekt sind mit 200.000 Euro veranschlagt und werden vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein und mehreren diakonischen Trägern getragen.

Mit den Kreisen Nordfriesland und Segeberg wurden zwei Modellregionen ausgewählt, die politisch bereits zwei unterschiedliche Strategien in der Altenhilfe verfolgen. An der Westküste sollen die Mittelzentren gestärkt werden. Der Kreis Segeberg setzt hingegen auf dezentrale Strukturen.

„Ziel des Szenario-Prozesses ist es, relevante Entwicklungen früh zu erkennen und Pfade für Akteure, Zielgruppen und die Modellregionen aufzuzeigen, die im Bereich der Altenhilfe ein hohes Maß an Qualität, Engagement, Geborgenheit und Zukunftsfähigkeit verknüpfen“, so Prof. Dr. Michael Opielka, Projektpartner vom Institut für Sozialökologie in Siegburg. „Die Rolle der freien Wohlfahrtspflege nehmen wir dabei besonders in den Fokus.“

„Eine vorausschauendere Planung und Abstimmung täte unserer Gesellschaft in vielen Bereichen gut“, sagt Dieter Harrsen, Landrat des Kreises Nordfriesland. „In unserem Kreis haben wir früh angefangen, über die Folgen des demografischen Wandels nachzudenken. Die Zukunft der ländlichen Räume hängt auch davon ab, wie wir uns auf den Wandel vorbereiten. Zurzeit arbeiten wir intensiv zum Beispiel an zukunftssicheren Formen der Mobilität, gewährleisten eine flächendeckende Altenhilfe und organisieren alle sechs Monate eine Pflegekonferenz mit allen Leistungserbringern. Grundlage dafür ist unser Masterplan Daseinsvorsorge, der aus einem vom Bund geförderten Modellprojekt entstanden ist. Um unsere in diesem Prozess gewonnenen Erkenntnisse weiterzugeben, habe ich mich gern bereit erklärt, im Beirat des neuen Projektes mitzuwirken.“

Für Rückfragen:

Friedrich Keller…...........................Pressesprecher Diakonisches Werk Schleswig-Holstein 

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