toggler
  • Diakonie Schleswig-Holstein

Neuer Schuldenreport für Schleswig-Holstein: Fehlende Ausbildung erhöht Überschuldungsrisiko

Rendsburg, 23. März 2017 I Menschen ohne Ausbildung sind vergleichsweise besonders stark von Überschuldung betroffen. Das ist ein Ergebnis des neuen Schuldenreports für Schleswig-Holstein, der jetzt zum zweiten Mal von der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung mit Sitz in Rendsburg herausgegeben wurde. „Mangelnde Schulbildung und eine fehlende Qualifikation erhöhen das Armutsrisiko“, so die Leiterin der Koordinierungsstelle Alis Rohlf. „Schuldnerberatung nimmt daher neben den rein finanziellen Problemen auch die soziale, gesundheitliche und psychische Situation der Betroffenen in den Blick.“

Im Jahr 2015 haben besonders viele Menschen ohne Berufsausbildung oder Studium die Schuldnerberatung in Anspruch genommen. 40 Prozent der Ratsuchenden gehörten zu dieser Gruppe. Hauptursache dafür ist, dass Menschen ohne Berufsabschluss überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Die Arbeitslosenquote lag 2015 in diesem Bereich deutschlandweit bei gut 20 Prozent. Sie ist damit etwa viermal höher als bei Männern und Frauen mit einer abgeschlossenen Ausbildung.

Eine fehlende Berufsausbildung führt in vielen Fällen zu einer prekären Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit, verbunden mit einem geringen Einkommen. Laut Statistischem Bundesamt waren 2015 in Schleswig-Holstein gut 34 Prozent der gering Qualifizierten ab 25 Jahren armutsgefährdet. „Die Betroffenen sind nicht in der Lage, langfristig zu planen“, so die Leiterin der Koordinierungsstelle Rohlf. „Jede unvorhergesehene Ausgabe sprengt dann das eigene Budget und kann eine Überschuldung auslösen.“

„Vor diesem Hintergrund ist es dringend nötig, die Zahl der Schulabbrecher zu verringern und allen Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen“, so Rohlf. „Ansonsten haben die Betroffenen keine Chance, ihre Einkommenssituation zu verbessern.“

Insgesamt verharrt die Zahl der Menschen, die in Schleswig-Holstein eine Schuldnerberatung aufsucht, auf einem hohen Niveau. 2015 wurden 26.338 Männer und Frauen beraten, 2014 waren es 25.529. Diese Zahlen basieren auf den Angaben aller 35 anerkannten Beratungsstellen im Land und sind daher repräsentativ.

Neben gering Qualifizierten sind vor allem Single-Haushalte (49%), alleinerziehende Frauen (13%), Arbeitslose (43%) und Menschen mit einem geringen Einkommen unter 900 Euro im Monat (47%) von Überschuldung bedroht oder betroffen. „Diese Zahlen haben sich in den vergangenen Jahren nur geringfügig verändert“, sagt Rohlf. „Das zeigt: trotz guter Konjunktur und sinkender Arbeitslosenzahlen befinden sich immer noch viele Menschen in einer finanziell prekären Situation.“

Dieser Entwicklung widerspricht auch nicht, dass die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen ist. Denn für viele Menschen, die die Schuldnerberatung aufsuchen, ist das Verbraucherinsolvenzverfahren keine Möglichkeit, etwas an ihrer finanziellen Situation zu verändern. Auf Grund ihrer prekären Beschäftigungsverhältnisse und dem meist geringen Einkommen leben sie an der Pfändungsfreigrenze und erhalten Pfändungsschutz über das so genannte P-Konto.

Angesichts der ganz unterschiedlichen Lebenslagen der Betroffenen geht die Arbeit der Beratungsstellen über die reine Schuldenregulierung hinaus. „Überschuldung ist mehr als nur ein materielles Problem. Sie hat gravierende Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien. Die Bedrohung der existentiellen Grundlage führt in die soziale Isolation und belastet erheblich die physische und psychische Gesundheit“, so die Leiterin der Koordinierungsstelle Rohlf. „Die Beraterinnen und Berater unterstützen die hilfesuchenden Menschen, ihre Lebensverhältnisse zu stabilisieren. Dazu gehört ganz wesentlich der Erhalt des Arbeitsplatzes.“

Hinzu kommt die präventive Arbeit der Beratungsstellen. Unter anderem werden Veranstaltungen zu den Themen Geld, Konsum und Schulden angeboten. Im Blickpunkt stehen dabei vor allem junge Erwachsene, die zunehmend auch von Überschuldung betroffen sind.

In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 35 anerkannte und öffentlich geförderte Beratungsstellen. Sie werden je nach Aufgabenbereich vom Land oder den Kommunen finanziert und erhalten darüber hinaus Unterstützung vom Sparkassen- und Giroverband. Die Koordinierungsstelle mit Sitz in Rendsburg begleitet den landesweiten, trägerübergreifenden Qualitätsprozess, fördert die Schuldenprävention und ist für die Fortbildung verantwortlich.

Für Rückfragen:

Friedrich Keller…...Pressesprecher, Diakonisches Werk Schleswig-Holstein,

                                  Tel: 04331-593 197; Mobil: 0174-94 500 90