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Zahl der Wohnungslosen steigt

Diakonie Schleswig-Holstein: Zahl der Wohnungslosen steigt

Rendsburg / Kiel, 1.4.2015 I Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein verzeichnet eine weiterhin hohe Wohnungslosigkeit. Trotz wirtschaftlichem Wachstums und sinkender Arbeitslosigkeit haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Hilfesuchende an die Beratungsstellen und Notunterkünfte der Diakonie gewandt. Brennpunkte sind die Städte Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster. Aber auch im ländlichen Bereich haben zahlreiche Menschen keinen eigenen Wohnraum.

Im vergangenen Jahr haben rund 4600 Menschen die diakonischen Beratungsstellen und Notunterkünfte in Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster in Anspruch genommen. Das waren zehn Prozent mehr als 2012. Insgesamt schätzt die Diakonie die Zahl der Wohnungslosen in Schleswig-Holstein auf mehr als 10.000. Dabei sind Männer durchschnittlich dreimal so oft von Wohnungslosigkeit betroffen wie Frauen. Allerdings liegt die Dunkelziffer bei den Frauen nach Annahme des Diakonischen Werkes wesentlich höher. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei jungen Erwachsenen. Während 2012 in Kiel und Lübeck noch 661 Männer und Frauen zwischen 18 und 25 Jahren Unterstützung suchten, waren es 2014 schon 799. Hinzu kommt, dass immer mehr Wohnungslose immer länger ohne eigene vier Wände auskommen müssen. Im ländlichen Bereich verharrt die Zahl der Wohnungslosen auf gleichbleibend hohem Niveau.

Die Ursachen für die Entwicklung sind vielschichtig. Ein wesentlicher Grund ist der Mangel an preiswertem Wohnraum mit Mieten unter der vorgegebenen Mietobergrenze (ca. 350 EURO). Gleichzeitig benötigen immer mehr Menschen bezahlbare Wohnungen. Wohnungslose, Studenten, Hartz-IV-Empfänger und Flüchtlinge drängen in dieses Segment. Der Druck auf die Ärmsten werde immer höher, und die Wohnungslosen seien davon besonders betroffen, so Landespastor Heiko Naß. Die Lage wird weiter verschärft, weil die Wohnungslosenhilfe für psychisch und suchtkranke Menschen wesentlich niedrigschwelliger ist als Angebote psychiatrischer Einrichtungen oder der Suchthilfe. Diese Menschen drängen ebenfalls in die Notunterkünfte.

Die diakonischen Beratungsstellen, Tagestreffs und Notunterkünfte stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Das Bodelschwinghhaus in Lübeck ist seit Jahren überbelegt, auch weil viele Wohnungslose das Angebot länger in Anspruch nehmen als in früheren Jahren. Sie müssen teils auf den Fluren übernachten. Zwar konnte die Einrichtung in den vergangenen beiden Monaten zusätzliche Räume in einem städtischen Verwaltungsgebäude nutzen, Ende April müssen diese aber wieder zurückgeben werden. Auch die Notunterkunft in Kiel nahm im vergangenen Jahr zeitweilig mehr Wohnungslose auf, als Plätze vorhanden waren. Teilweise wurden Gemeinschaftsräume umfunktioniert.

Gleichzeitig gestaltet sich die Vermittlung von Wohnraum zunehmend schwierig. Eine steigende Zahl von Sozialwohnungen fällt aus der Bindung heraus und viele Vermieter vergeben ihre Wohnungen bevorzugt an zahlungskräftige Mieter. Da bleibe den Beratungsstellen oft nichts anderes übrig, als immer wieder die wenigen Wohnungsangebote innerhalb der Mietobergrenzen abzutelefonieren, so Michael Schmitz-Sierck von der Stadtmission in Kiel.

Vor diesem Hintergrund setzt sich das Diakonische Werk Schleswig-Holstein für den Bau zusätzlicher Sozialwohnungen ein. Vor allem aber sollten Städte und Gemeinden feste Kontingente für die Wohnungslosenhilfe einrichten, fordert Landespastor Heiko Naß. Auf diese Weise könne verhindert werden, dass Wohnungslose bei der Vergabe von Wohnraum gegenüber anderen Bedürftigen benachteiligt werden. Außerdem müssen aus Sicht des Diakonischen Werkes die Beratungsstellen finanziell besser ausgestattet werden.

Die Diakonie in Schleswig-Holstein betreibt 34 Anlaufstellen für wohnungslose Menschen, darunter 23 Beratungsstellen, vier Tagestreffs, und sieben stationäre Hilfen.