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Flüchtlingskonferenz: Diakonie und Nordkirche fordern konkrete Ergebnisse

Flüchtlingskonferenz: Diakonie und Nordkirche fordern konkrete Ergebnisse

Rendsburg/Kiel, 29.4.2015 I Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein und die Nordkirche begrüßen die von der Landesregierung einberufene Flüchtlingskonferenz am 6. Mai. „Angesichts steigender Flüchtlingszahlen ist es dringend notwendig, dass sich alle gesellschaftlichen Gruppen an einen Tisch setzen und gemeinsam nach Lösungen suchen“, sagen Bischof Gothart Magaard und Landespastor Heiko Naß. Beide erwarten von der Flüchtlingskonferenz konkrete Zielvorgaben, vor allem zu den Themen Unterbringung, Beratung und Ehrenamt.

Diakonie und Nordkirche wollen sich bei der Flüchtlingskonferenz für einen längeren Aufenthalt von Flüchtlingen in der Erstaufnahme in Neumünster einsetzen. Die Verweildauer sollte von bislang zwei auf ca. sechs Wochen ausgedehnt werden. Dann könnten die Ankommenden bereits vor der Verteilung zum Asylverfahren beraten werden. Außerdem gebe es mehr Zeit, um mögliche Traumatisierungen festzustellen. Für die Unterbringung in den Kreisen und Kommunen sollten Mindeststandards definiert und eingehalten werden. Dazu gehören die Anbindung der Unterkünfte an den öffentlichen Nahverkehr sowie eine erreichbare Gesundheitsversorgung und soziale Betreuung.

Diakonie und Nordkirche sprechen sich für einen Ausbau des Beratungsangebots für Flüchtlinge aus. „Es geht nicht nur darum, ausreichend Unterkünfte und Verpflegung bereitzustellen. Die Asylsuchenden müssen auch in ihrem Alltag begleitet und beraten werden. Nur so ist eine schnelle Integration möglich“, zeigt sich Landespastor Naß überzeugt. Aus Sicht der Diakonie muss  deshalb die vom Land     

finanzierte Migrationssozialberatung eindeutig für Flüchtlinge geöffnet und aufgestockt werden. In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 30 Beratungsstellen. Sie helfen schon jetzt Flüchtlingen bei rechtlichen und sozialen Fragen, stoßen aber zunehmend an ihre Grenzen. Nach einem Controllingbericht  waren die Beraterinnen und Berater im ersten Quartal 2015 zu 182 Prozent ausgelastet. Sollten, wie von der Landesregierung prognostiziert, in diesem Jahr tatsächlich 20.000 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein kommen, würde sich die Lage weiter verschärfen. Deshalb sind nach Berechnungen der Diakonie mindestens 14 weitere Vollzeitstellen nötig.  Das Land müsste dafür rund 780.000 EURO zur Verfügung stellen.

Diakonie und Nordkirche kritisieren Pläne, wonach unbegleitete minderjährige Flüchtlinge landes- und bundesweit umverteilt werden sollen. „Das lehnen wir ab. Es muss immer  das Kindeswohl im Vordergrund stehen. Wir sehen, dass die erfahrenen Anbieter der Jugendhilfe die geeignetsten  Möglichkeiten haben, hierher geflohene Kinder zu begleiten. Diese haben oft eine lange Odyssee und Erfahrungen von Gewalt und sozialer Trennung hinter sich und sollten deshalb bestmöglich betreut werden“, so Landespastor Naß.

Diakonie und Nordkirche fordern eine stärkere professionelle Unterstützung von ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit. „Glücklicherweise kümmern sich in Schleswig-Holstein unzählige Freiwillige um Zuwanderer. Mehr als 150 evangelische Kirchengemeinden halten Hilfsangebote bereit. Sie sorgen damit für eine Willkommenskultur“, sagt Bischof Magaard. „Flüchtlingsarbeit ist aber sehr komplex. Die Ehrenamtlichen benötigen daher dringend qualifizierte Ansprechpartner.“ Erfahrungsgemäß sind auch hier die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Migrationssozialberatung gefragt. Die Nordkirche stellt außerdem zurzeit in allen Kirchenkreisen Flüchtlingsbeauftragte ein.

Um das freiwillige  Engagement zu unterstützen geben Diakonie und Nordkirche gemeinsam einen Leitfaden für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit heraus. Er basiert auf den Erfahrungen, die Gemeinden in der Flüchtlingshilfe gemacht haben und gibt wesentliche rechtliche und praktische Hinweise. Es werden z.B. Tipps zum Umgang mit Ämtern gegeben oder wie Flüchtlingen im Alltag geholfen werden kann. Der Leitfaden wird heute an die Kirchengemeinden und diakonischen Beratungsstellen verschickt. Bei Interesse können die Broschüren beim Diakonischen Werk in Rendsburg bestellt werden.

Als Träger von Migrationsfachdiensten und größter gesellschaftlicher Partner von ehrenamtlichen Flüchtlings-Projekten in Schleswig-Holstein wollen sich Diakonie und Nordkirche bei der Umsetzung und dem Controlling der Gipfelergebnisse einbringen.

Für Rückfragen:
Friedrich Keller
Pressesprecher
Telefon 04331 593 197
presse@diakonie-sh.de