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Zukunftsträume und Stolpersteine

Rendsburg/Büdelsdorf, 12. Mai 2015 I Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Verena Bentele, hat beim traditionellen Abend der Begegnung gleiche Zukunftschancen für Jugendliche mit Behinderung gefordert. „Sie dürfen nicht auf ihre Defizite reduziert werden. Vielmehr ist es wichtig, ihre Fähigkeiten zu fördern“, so Bentele. Zu dem Empfang des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein in der ACO Thormannhalle in Büdelsdorf waren rund 250 Gäste aus Politik, Gesellschaft, Kirche und Diakonie gekommen.

Auszubildende mehrerer Berufsbildungswerke überreichten Verena Bentele symbolisch Glücks- und Stolpersteine. Darauf hatten sie ihre Zukunftsträume, aber auch ihre Sorgen geschrieben. „Ich blicke mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Von der Öffentlichkeit wünsche ich mir, dass die uns nicht immer so behandelt, als ob wir gar nichts könnten“,  sagte der 22 Jahre alte Patrick Boe. Der 21-jährige Bela Jungjohan macht sich ebenfalls große Gedanken um seine berufliche Zukunft: „Ich hoffe, dass mein künftiger Chef mit mir klarkommt“. Wenn alles gut läuft, möchte Rene Kohlscheen (19 Jahre) eigene Kinder haben, ein Haus bauen und vielleicht einmal ein schönes Auto fahren.

Zu den Zukunfts- und Berufsperspektiven von Jugendlichen mit Behinderung sagte Verena Bentele: „Erfahrungsgemäß bestehen bei einer betriebsnahen Ausbildung die größten Chancen für den Berufseinstieg. Wo dies wegen eines hohen Unterstützungsbedarfes nicht möglich ist, müssen innovative Ausbildungsmodelle entwickelt werden, die sich an den Anforderungen der Wirtschaft orientieren und den Übergang in das Berufsleben fördern. Bildungsanbieter müssen auf individuelle Voraussetzungen einzelner Jugendlicher flexibel reagieren können. Die Ausbildungsförderung entsprechend zu gestalten, ist deswegen Aufgabe der Politik. Unser aller Ziel muss es sein, so vielen Menschen wie möglich den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt zu eröffnen.“

Landespastor Heiko Naß würdigte die Arbeit der diakonischen Berufsbildungswerke:„Viele Gespräche mit Auszubildenden haben mir gezeigt, dass sie schon eine  längere Geschichte hinter sich haben, auch eine Enttäuschungsgeschichte. In den Berufsbildungswerken werden sie nun in ihren eigenen Kompetenzen gefördert. Sie bekommen die Zeit und die Unterstützung, die sie nötig haben, um sich so zu qualifizieren, dass sie auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Chance bekommen. Die Statistik zeigt, dass die Berufsbildungswerke außerordentlich erfolgreich sind. Es gibt eine  Vermittlungsquote von 60 Prozent. Unser Ziel ist es, das in den nächsten Jahren auf 70 Prozent zu steigern.“ In den drei diakonischen Berufsbildungswerken in Timmendorfer Strand, Neumünster und Husum werden zurzeit 1150 Jugendliche und junge Erwachsene aus- und fortgebildet.

Die Diakonie ist der größte Wohlfahrtsverband in Schleswig-Holstein. In den 750 Einrichtungen arbeiten rund 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unter anderem in Kitas, Migrationsfachdiensten, der Schuldnerberatung, der Arbeit mit Menschen mit Behinderung und der Altenpflege. Zusätzlich engagieren sich viele tausende Ehrenamtliche für die Aufgaben der Diakonie.