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Diakonie: Winternotprogramm für Wohnungslose

Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein hat heute in Flensburg das landesweite Winternotprogramm für Wohnungslose offiziell gestartet. Aus diesem Anlass besuchte Landespastor Heiko Naß in der Fördestadt den Tagestreff für wohnungslose Männer und informierte sich über die Arbeit der Einrichtung. In den Tagestreffs in Schleswig-Holstein werden in den kommenden Wochen warme Kleidung, Schlafsäcke sowie Isomatten an Bedürftige ausgegeben.

Das Winternotprogramm richtet sich vor allem an Wohnungslose, die „Platte machen“, also auf der Straße leben. Schätzungsweise haben in Schleswig-Holstein rund 100 Menschen kein festes Dach über dem Kopf und lehnen es ab, in den Notunterkünften der Diakonie oder anderer Verbände zu übernachten. „Aus unserer Sicht wäre es zwar besser, wenn diese Menschen die Unterkünfte in Anspruch nehmen“, sagt Landespastor Heiko Naß. „Letztlich entscheidet das aber jeder selbst. Unsere Aufgabe ist es nun zu verhindern, dass sie in den kalten Nächten erfrieren.“ Neben Schlafsäcken und warmer Kleidung hat die Stadt Kiel deshalb beheizbare Container aufgestellt, die von Mitarbeitern der Diakonie betreut werden. In anderen Städten, z.B. in Husum, sollen zusätzliche Wohnungen angemietet werden. Die Landesregierung unterstützt das Winternotprogramm mit 20.000 EURO.

Neben den Obdachlosen, die auf der Straße leben, nutzt in Schleswig-Holstein eine steigende Zahl von Wohnungslosen die diakonischen Notunterkünfte beispielsweise in Kiel, Lübeck und Flensburg. Dabei stoßen die Einrichtungen zunehmend an ihre Grenzen. „Auch in der warmen Jahreszeit mussten immer wieder provisorische Schlafplätze auf Fluren und in Gemeinschaftsräumen eingerichtet werden. Es wird dennoch niemand abgewiesen“, versichert Naß.

Derweil ist in den vergangenen Jahren auch die verdeckte, öffentlich nicht sichtbare Wohnungslosigkeit stetig angestiegen. 2014 nahmen allein in Flensburg 965 Menschen die Angebote der diakonischen Wohnungslosenhilfe in Anspruch. Das waren gut zwölf Prozent mehr als noch 2012. Insgesamt schätzt die Diakonie die Zahl der Wohnungslosen in Schleswig-Holstein auf mehr als 10.000. Dabei werden die Wohnungslosen seit einigen Jahren immer jünger. Das zeigt das Beispiel Lübeck. Dort stieg nach Angaben der Vorwerker Diakonie die Zahl der von Wohnungslosigkeit betroffenen, jungen Erwachsenen von 394 im Jahr 2012 auf 545 im Jahr 2014.

Zwei wesentliche Gründe für diese Entwicklung sind der zunehmende Mangel an bezahlbarem Wohnraum sowie die fortschreitende Privatisierung in der Wohnungswirtschaft. Gleichzeitig konkurrieren immer mehr Menschen um jede frei werdende Wohnung. Dazu trägt nicht zuletzt auch die stark gestiegene Zahl von Flüchtlingen bei. „Es wäre aber fatal, wenn wir jetzt eine Gruppe gegen die andere ausspielen“, gibt Heiko Naß zu bedenken. „Wir müssen uns darum kümmern, dass sowohl Hartz-IV-Empfänger, Studenten und Flüchtlinge als auch Wohnungslose eine Chance auf dem Wohnungsmarkt bekommen. Deshalb fordern wir den Bau neuer Sozialwohnungen sowie ein festes Kontingent für die Wohnungslosenhilfe.“

Für Rückfragen:
Friedrich Keller
Pressesprecher
Diakonisches Werk Schleswig-Holstein
Tel: 04331-593 197; Mobil: 0174-94 500 90