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Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Kinder- und Jugendhilfe – Fachtag in Rendsburg

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Kinder- und Jugendhilfe – Fachtag in Rendsburg

 

Rendsburg, 1. Dezember 2015 I Die Kinder- und Jugendhilfe in Schleswig-Holstein steht vor neuen großen Herausforderungen. Grund sind die stetig wachsende Zahl von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sowie das neue „Bundesgesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher“. Demnach werden die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ab sofort auf Einrichtungen im ganzen Land verteilt. Bei einem Fachtag des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein und des Instituts für berufliche Aus- und Fortbildung IBAF in Rendsburg konnten sich heute Akteure der öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfe über die rechtlichen Grundlagen und die Umsetzung des neuen Gesetzes in Schleswig-Holstein informieren. Außerdem erhielten die rund 200 Teilnehmenden Anregungen für die pädagogische Praxis.

 

In Schleswig-Holstein werden zurzeit nach Angaben des Sozialministeriums 2714 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von der Kinder- und Jugendhilfe betreut (Stand 30.11.2015). Bislang waren dafür einige wenige spezialisierte Einrichtungen an den Knotenpunkten der Flüchtlingsrouten verantwortlich. Dazu zählen die IUVO in Neumünster, die Vorwerker Diakonie in Lübeck sowie das Elisabethheim in Havetoft. Sie verfügen über das fachliche Know-how, Sprachmittler sowie Erfahrungen und Kenntnisse im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen. Allerdings stießen die Unterkünfte zunehmend an ihre Grenzen. Mit dem neuen Gesetz können unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nun landesweit in Obhut genommen und anschließend vom jeweiligen Jugendamt in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht werden.

 

„Viele Heime und Wohngruppen stehen damit vor einer schwierigen Aufgabe“, sagt Anke Homann, Geschäftsführerin im Vorstand des Diakonischen Werks. „Ihnen fehlen die Kenntnisse über die neuen rechtlichen Grundlagen und eine ausreichende Zahl von Sprachmittlern. Außerdem müssen die sozialpädagogischen Mitarbeitenden auf die Besonderheiten der Betreuung von Flüchtlingen vorbereitet sowie zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden. Nicht zuletzt fehlen in den bestehenden Einrichtungen ausreichend Plätze.“ Petra Opelt, Fachreferentin beim Diakonischen Werk, sieht in der Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aber auch eine große Chance: „Die ausländischen Jugendlichen, die zu uns kommen, sind meist hochmotiviert, sie wollen sich qualifizieren und einbringen. Von dieser Haltung könnten andere Jugendliche lernen.“

 

Nach Angaben von Thomas Friedrich, Referent im Sozialministerium des Landes Schleswig-Holstein, muss das Bundesland nach dem Königsteiner Schlüssel 3,4 Prozent der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge aufnehmen, die nach Deutschland kommen. Zurzeit liegt das Land über der Sollquote, so dass im Dezember erstmals zahlreiche Jugendliche nach Niedersachsen weiterverteilt werden. „Dennoch reichen die Kapazitäten der Kinder- und Jugendhilfe in Schleswig-Holstein nicht aus, so dass Abhilfe geschaffen werden muss“, so Friedrich. Vor diesem Hintergrund hat die Landesregierung zahlreiche Übergangslösungen beschlossen. Beispielsweise darf die Zahl der Jugendlichen in Wohngruppen vorübergehend erhöht werden. Außerdem wurden die Betriebserlaubnisverfahren für Übergangseinrichtungen vereinfacht.

 

Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein und das IBAF werden in den kommenden Monaten weiterhin Fort- und Weiterbildung im Bereich Kinder- und Jugendhilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge anbieten. „Wir haben auf dem Fachtag von den Einrichtungen und Trägern viele interessante Informationen und Hinweise erhalten“, sagte der Leiter des IBAF Andreas Hamann. „Diese werden wir in künftige Fort- und Weiterbildungsangebote integrieren.“

 

 

Für Rückfragen:

Friedrich Keller…...Pressesprecher, Diakonisches Werk Schleswig-Holstein,

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