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Diakonie: Wohnen - wichtiger Schlüssel zur Integration und Inklusion

Rendsburg, 10. Mai 2016 I Landespastor Heiko Naß hat beim traditionellen Abend der Begegnung mehr bezahlbaren Wohnraum für Flüchtlinge sowie benachteiligte Menschen gefordert. „Wenn wir Zugewanderte integrieren und mit der Inklusion von Menschen mit Behinderung ernst machen wollen, dann müssen wir Ihnen ein bezahlbares und sozial ausgewogenes Wohnumfeld bieten“, so Naß. Vor diesem Hintergrund sprach er sich für eine noch engere Kooperation von Diakonie und Wohnungswirtschaft aus. Zu dem Empfang des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein in der ACO Thormannhalle in Büdelsdorf waren rund 270 Gäste aus Politik, Gesellschaft, Kirche und dia-konischen Einrichtungen gekommen.

Bei einer Podiumsdiskussion tauschen sich Vertreter aus Politik, Wohnungswirtschaft und Diakonie über die Gestaltung neuer Wohngebiete und -anlagen aus. Hintergrund ist das Ziel der Landesregierung, mehr bezahlbaren Wohnraum in Schleswig-Holstein zu schaffen. Angesichts der Flüchtlingssituation hatte das Innenministerium eine Richtlinie für vereinfachtes Bauen herausgegeben. Auf diese Weise sollen Planung und Bau von Wohnraum beschleunigt werden. Innenstaats-sekretärin Manuela Söller-Winkler sagte: „Die generell hohe Bedeutung des sozialen Wohnungsbaus zeigt sich durch die Aufnahme von Flüchtlingen noch einmal in besonderer Art und Weise. Dabei gilt es, bezahlbaren Wohnraum für die gesamte Bevölkerung Schleswig-Holsteins zu schaffen und nicht einzelne Bevölkerungs-gruppen in Konkurrenz zu bringen. Im Gegenteil: Wir sind der Überzeugung, dass ein Wohnumfeld mit einer sozial durchmischten Nachbarschaft die besten Voraus-setzungen für eine gelingende Integration bietet. Um schneller bauen zu können, wollen wir Prüf- und Genehmigungsverfahren beschleunigen, ohne wichtige bauliche und sicherheitsrelevante Standards außer Kraft zu setzen. Die Bereiche Brandschutz und Standsicherheit sind dabei ausdrücklich von den Standardabsenkungen ausgenommen.“

Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen begrüßte das Anliegen der Landesregierung: „Wir müssen das Richtige richtig tun. Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, ist ein Expresswohnungsbau in der aktuellen Situation eine gute, wenn nicht sogar die einzige Lösung. Doch wir müssen weiter denken. Die Vergangenheit zeigt, dass Monostrukturen für die Entwicklung von Quartieren schädlich sind. Zu einer intakten und damit integrationsfähigen Nachbarschaft führt nur eine Durchmischung. Alt und jung, reich und arm, Menschen mit und ohne Behinderungen, deutsch und nichtdeutsch – die Vielfalt der Quartiersbewohner bewahrt vor einer Ghettoisierung. Die Verbandsunternehmen sind für Ihre durchmischten Wohnstrukturen und ihre bezahlbaren Mieten bekannt. Bezahlbarkeit darf aber nicht in Konkurrenz mit der Wirtschaftlichkeit eines Unter-nehmens stehen. Daher fordern wir Land und Kommunen auf, genau hinzugucken, wer was bauen will und dementsprechend Grundstücke nach Konzept und nicht nach Höchstpreisen zu vergeben. Nur mit bezahlbaren Grundstücken kann be-zahlbarer Wohnraum für alle Menschen geschaffen werden.“

Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast stellte in Aussicht, dass auch seine Kommune neuen Wohnraum schafft. Die Richtlinie für vereinfachtes Bauen sieht er allerdings kritisch. “Wenn wir die Standards absenken, ist die Gefahr groß, dass wir Wohnraum schaffen, der in zehn Jahren nicht mehr attraktiv ist“, so Gilgenast. „Deswegen plant die Stadt Rendsburg den Bau werthaltigerer Wohnungen, die sich an den Standards für den sozialen Wohnungsbau orientieren. In diesen Anlagen sollte es ausreichend soziale Angebote geben, damit wir die Inklusion benachteiligter Menschen sichern können.“ Angesichts sinkender Flüchtlingszahlen mahnte Gilgenast die Landesregierung, die Prognosen für den Wohnungsmarkt anzupassen, um für die Kommunen Planungssicherheit zu gewährleisten.

Landespastor Heiko Naß unterstrich die Bereitschaft der Diakonie, sich an der sozialen Ausgestaltung neuer Wohnviertel zu beteiligen. Er verwies auf erfolgreiche Beispiele wie den Gustav-Schatz-Hof in Kiel. In dem Wohnprojekt ist die Diakonie mit einem Mietertreff, einer Demenz-WG und ambulanten Pflegeangeboten eingebunden. „Nachbarschaft kann gestaltet werden“, sagte Naß. „Wohnraum braucht auch Orte für gemeinschaftliche Lebensentfaltung, wo Geschichten transportiert und Soziales symbolisiert werden kann. Dort können auch die Bedürfnisse von Neu- und Altbewohnern aufeinander bezogen werden, Begegnungen von Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderung gefördert und die In-tegration sozial benachteiligter Personen ermöglicht werden. So lässt sich Inklusion für viele Personengruppen verwirklichen und es entstehen durchmischte Wohn-gebiete.“ Vor diesem Hintergrund forderte Naß klare Wohnraum-Kontingente für wohnungslose Menschen.

Für Rückfragen:

Friedrich Keller…...Pressesprecher, Diakonisches Werk Schleswig-Holstein,

Tel: 04331-593 197; Mobil: 0174-94 500 90