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Verabschiedung von Landespastorin Petra Thobaben

Rendsburg / Kiel, 29. Oktober 2014.

Landespastorin Petra Thobaben ist am Mittwoch in Rendsburg in den Ruhestand verabschiedet worden. Sie war seit 1997 Sprecherin des Vorstands des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein. Als neuer Landespastor wurde der Kieler Oberkirchenrat Heiko Naß (50) in das Amt eingeführt.

 

Über 400 Gäste aus Kirche, Diakonie und Politik sowie aus Verbänden und Vereinen verfolgten in einem feierlichen Gottesdienst in der Rendsburger Christkirche die von Gerhard Ulrich,  Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) vorgenommene Entpflichtung der Landespastorin und die Einführung von Heiko Naß in sein neues Amt.

 

Ulrich würdigte die scheidende Landespastorin als Anwältin der Schwachen. Sie habe „nicht immer bequeme Wahrheiten im politischen Raum an- und ausgesprochen“. Dabei seien ihr stets die konkreten Lebenslagen von Menschen wichtig gewesen. Den neuen Landespastor ermutigte der Landesbischof dazu, mit Selbstbewusstsein, aber auch in Kenntnis der Grenzen für den Auftrag der Diakonie in der Gesellschaft einzutreten – als verlässlicher Partner für Land und Kommunen: „Auch mit Ihnen wird die Diakonie ein starkes Stück Kirche sein“, sagte der Landesbischof.

 

 

Auf dem anschließenden Empfang im „Hohen Arsenal“ in Rendsburg würdigte Ministerpräsident Torsten Albig die scheidenden Landespastorin Petra Thobaben: „Sie haben sich mit Leib und Seele für die Menschen eingesetzt, die es besonders schwer haben im Leben“, sagte er. Dem neuen Landespastor Heiko Naß wünschte Albig einen guten Start im neuen Amt und sicherte ihm seine Unterstützung zu: „Sie werden bei mir und bei meiner Landesregierung stets offene Ohren und eine tatkräftige Hand finden, wenn es darum geht, den Schwachen in unserer Gesellschaft Stütze zu sein.“

 

Petra Thobaben wurde 1949 in Cuxhaven geboren und war nach dem Theologiestudium in Hamburg zunächst als Pastorin in Wesselburen im Kreis Dithmarschen und als stellvertretende Pröpstin tätig. Anschließend wurde sie Referentin der Kirchenleitung in Kiel. Im Kirchenamt der Nordelbischen Kirche war sie als Dezernentin für Erziehung, Schule und Fortbildung zuständig. In diesen Tätigkeiten war sie stets die erste Frau in dieser Position.  

 

Als Landespastorin der Diakonie hat sie in den vergangenen  

17 Jahren die Arbeit des evangelischen Wohlfahrtsverbandes in Schleswig-Holstein geprägt und die Interessen der Menschen vertreten, die von der Diakonie in schwierigen Lebenssituationen unterstützt werden. Dazu gehören Menschen in der Pflege, Menschen mit Behinderung, Flüchtlinge und Asylsuchende, Suchtkranke, Obdachlose und viele andere. Ihr Engagement war stets geleitet von der Überzeugung, dass die, die Hilfe brauchen, so weit wie möglich selbstbestimmt leben sollen und selbst am besten beurteilen können, was sie zur Bewältigung ihrer Lebenssituation brauchen. „Es geht darum, die Menschen ernst zu nehmen“. Petra Thobaben hat drei verheiratete Söhne und sieben Enkelkinder in Deutschland, in der Schweiz und in Schweden.

 

Für die Nordkirche erklärte Wolfgang Vogelmann, Dezernent für Diakonie: „Ob in Fragen der Asylberatung und Abschiebehaft, ob bei dem Bericht zur Situation der privaten Überschuldung in Schleswig-Holstein oder mit der Kritik an den Kürzungen im Sozialbereich 2010: Das Diakonische Werk und die Landespastorin setzten Akzente in der Sozialpolitik des Landes“.

Aus Berlin war Ulrich Lilie, Präsident des Diakonie-Bundesver- bandes, nach Rendsburg gekommen: „27 Jahre sind Sie ein

 

Gesicht der Diakonie in Schleswig-Holstein gewesen. Ein Gesicht ist das Schaufenster der Seele, und Sie waren Landespastorin mit Herz und Seele, mit Ecken und Kanten, mit Mut zur eigenen Meinung. Ihre deutliche und unüberhörbare Stimme ist aus manchen Diskursen der Vergangenheit überhaupt nicht weg zu denken. Nicht nur im Norden, sondern auch auf der Bundesebene sind Sie eine Treiberin für Teilhabe, Beteiligung und notwendige Veränderung gewesen. Dafür gilt Ihnen unser herzlicher Dank“, sagte Lilie.

Am 1. November wird Oberkirchenrat Heiko Naß die Nachfolge von Petra Thobaben antreten. Naß studierte Theologie in Kiel, Bonn und Heidelberg. Nach dem Vikariat in Kiel übernahm er Pfarrstellen in Garding in Nordfriesland und Kiel. 2005 wurde er Referent der Kirchenleitung, 2009 Oberkirchenrat im Kieler Landeskirchenamt. Er leitete seitdem das Dezernat für Theologie und Publizistik. Naß ist verheiratet mit einer Pastorin, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Schinkel im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Diakonische Arbeit ist ihm seit vielen Jahren vertraut. So arbeitete er bereits mit Anfang 20 als Pflegediensthelfer auf einer Station für Schwerstpflegebedürftige. Im Kieler Stadtteil Gaarden initiierte Naß ein Projekt für Arbeitslose und begleitete ehrenamtlich Strafentlassene.

Maßgebend für sein Amt als Landespastor ist die Grundüberzeugung, dass von Gott alle Menschen unbedingt geliebt sind. Als besondere Aufgaben sieht Naß die angemessene Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen, die Entwicklung von Modellen zur Bewältigung des demografischen Wandels und die Forderung, soziale Leistungen nicht über den Preis sondern über die Qualität zu definieren.  

Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein mit Sitz in Rendsburg ist der größte Wohlfahrtsverband im nördlichsten Bundesland. Hier arbeiten 28.000 Hauptamtliche in 450 diakonischen Einrichtungen. Zudem engagieren sich viele tausend Ehrenamtliche.