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Wohnungslosigkeit

Beratungsstellen arbeiten am Limit - ambulante Wohnungslosenhilfe muss gestärkt werden

Die Beraterinnen und Berater der Wohnungslosenhilfe geraten zunehmend an ihre Belastungsgrenze. Der Grund: Die Zahl der Rat- und Hilfesuchenden ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und erreichte im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand. Hinzu kommt, dass die Fälle immer komplexer werden. „Wir müssen deshalb stärker in die Beratungsangebote der Wohnungslosenhilfe investieren“, sagt Landespastor Heiko Naß. „Beratung kann oft verhindern, dass Menschen in Notlagen ihre Wohnung verlieren.“

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Landespastor Naß stellte gemeinsam mit Ilona Storm (Mitte) und Melanie Popp die aktuellen Entwicklungen vor.

Im vergangenen Jahr nahmen in Schleswig-Holstein gut 7500 Menschen die Angebote der diakonischen ambulanten Wohnungslosenhilfe in Anspruch. Das waren rund 16 Prozent mehr als 2015. Bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren fiel der Anstieg besonders hoch aus. In dieser Gruppe verdoppelte sich die Zahl sogar auf knapp 2300. Besonders angespannt ist die Lage in den Städten Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster. Dabei waren die Rat- und Hilfesuchenden entweder bereits wohnungslos oder von Wohnungslosigkeit bedroht.

Eine wesentliche Ursache für diese Entwicklung liegt im zunehmenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum, vor allem in den Ballungszentren. Außerdem sind die Betroffenen oft arbeitslos, überschuldet oder krank. „Ein Teil der jungen Erwachsenen kommt aus dem System der Kinder- und Jugendhilfe. Ihnen fällt es schwer, den Übergang in die Eigenständigkeit zu gestalten. Sie haben keine abgeschlossene Ausbildung, finden keinen Job, sind ohne Einkommen und scheitern dann bei der Wohnungssuche“, weiß Ilona Storm, Referentin für Wohnungslosenhilfe beim Diakonischen Werk Schleswig-Holstein. „Außerdem fehlen die klassischen familiären Netzwerke, um die Jugendlichen aufzufangen.“

Die Beratungsstellen betreuen immer mehr Menschen

Während die Beratungsstellen immer mehr Menschen betreuen und begleiten, ist die Zahl der Mitarbeitenden dort seit Jahren gleichbleibend. Die Landeszuschüsse für diese Einrichtungen sind lange Zeit schon gedeckelt. „Gleichzeitig wird die Beratung immer aufwendiger“, berichtet Melanie Popp von der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot in Neumünster. „Viele Ratsuchende leiden nicht nur unter einem, sondern unter mehreren Problemen. Sie sind psychisch stark belastet oder suchtkrank und gehören eigentlich in Einrichtungen der Psychiatrie oder Suchthilfe. Weil die Angebote dort oft zu hochschwellig oder ebenfalls überlastet sind, landen die Betroffenen dann bei uns.“ Das System der ambulanten Wohnungslosenhilfe sei darauf aber nicht eingestellt und könne den Betroffenen kaum helfen.

Vor diesem Hintergrund fordert das Diakonische Werk Schleswig-Holstein, die seit 2007 gedeckelten Landeszuschüsse für die Beratungsstellen um 400.000 Euro zu erhöhen. „Wir müssen uns aber auch darüber Gedanken machen, wie wir die Wohnungslosenhilfe inhaltlich noch besser aufstellen“, fordert Landespastor Naß. „Das Klientel hat sich stark verändert. Darauf sollten wir reagieren!“

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Landespastor Heiko Naß fordert, die gedeckelten Landeszuschüsse für die Beratungsstellen um 400.000 Euro zu erhöhen.

Die Diakonie macht sich deshalb dafür stark, die Konzepte der ambulanten Wohnungslosenhilfe zu überprüfen und wenn nötig neu zu erarbeiten. „Wir benötigen dabei ein koordiniertes Vorgehen auf Landesebene“, so Landespastor Naß. „Eine Stadt kann das Problem nicht alleine lösen. Ziel sollte ein Konzept sein, das den Betroffenen tatsächlich hilft.“ Einen ähnlichen Prozess hatte es schon einmal in den 1990er Jahren gegeben. Damals wurde eine unabhängige, überregionale Studie in Auftrag gegeben, von deren Ergebnissen auch die diakonischen Beratungsstellen sehr stark profitierten.

Neben den Beratungsstellen muss die Lage auf dem Wohnungsmarkt dringend verbessert werden. Nach der Wahl am 7. Mai sollte die künftige Landesregierung verstärkt den Bau von Sozialwohnungen vorantreiben. Da in den vergangenen Jahren immer mehr bestehende Sozialwohnungen aus der Bindung gefallen sind, herrscht ein großer Nachholbedarf. Die Diakonie setzt sich außerdem für ein Kontingent von Wohnungen ein, die allein Wohnungslosen zur Verfügung stehen. „Nur so haben sie eine Chance, berücksichtigt zu werden“, betont Landespastor Naß.

Um zeitnah Abhilfe zu schaffen, mieten verschiedene diakonische Einrichtungen in Schleswig-Holstein Wohnungen an, die dann an Menschen weitervermietet werden, die schon länger in einer Notunterkunft leben. Hinzu kommt eine abgestimmte Betreuung und Begleitung der Betroffenen. Die Wohnungseigentümer haben den Vorteil, dass alle Risiken wie Mietausfall oder befürchtete Schäden durch die Diakonie abgedeckt werden. Auf diese Weise haben zum Beispiel in Lübeck mehr als 30 und in Kiel 12 Wohnungslose eine neue Perspektive erhalten.