toggler
  • Diakonie Schleswig-Holstein

Aktionswoche der Schuldnerberatung: Arm und überschuldet – trotz Arbeit

Aktionswoche der Schuldnerberatung: Arm und überschuldet – trotz Arbeit

Kiel/Rendsburg, 11. Juni 2015 I  Immer mehr Menschen in einer prekären Beschäftigung sind von Überschuldung bedroht. Auf dieses Problem wollen die Schuldnerberatungsstellen in Schleswig-Holstein mit ihrer traditionellen Aktionswoche aufmerksam machen. Dazu sind vom 15. bis zum 19. Juni landesweit zahlreiche Veranstaltungen und Sondersprechstunden geplant.

In Deutschland bezogen Ende 2013 rund 3,1 Millionen Erwerbstätige ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsquote. Das waren nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts 25 Prozent mehr als 2008. Von Armut gefährdet sind Menschen, die weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen. Das liegt für Alleinstehende in Schleswig-Holstein bei jeweils 979 EURO netto pro Monat. „Davon betroffen sind nicht nur die klassischen Hilfsarbeiter sondern auch zunehmend Selbständige und Akademiker“, so Alis Rohlf von der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein. „Gleichzeitig reißen steigenden Mieten, Energiekosten und Mobilitätsausgaben tiefe Löcher in die Kassen der betroffenen Haushalte. Der Weg in die Ver- und Überschuldung ist dann nicht mehr weit.“

Hinzu kommt, dass Menschen in Minijobs, Teilzeitbeschäftigungen oder Leiharbeit meist nur befristete Arbeitsverträge mit reduzierten Sozialversicherungsansprüchen haben. Sie können daher kaum Rücklagen bilden oder für die Rente vorsorgen. Das Risiko, im Alter in die Schuldenfalle zu geraten, ist für die Betroffenen sehr hoch. „Damit entwickelt sich die prekäre Beschäftigung neben Arbeitslosigkeit, Trennung und Krankheit zu einem maßgeblichen Faktor für eine Überschuldung“, ist Alis Rohlf überzeugt.

Der neue Mindestlohn kann nur bedingt Abhilfe schaffen und vor diesem Risiko schützen.   8, 50 EURO pro Stunde reichen nicht aus, um ausreichend Rücklagen für unerwartete Notlagen zu bilden oder nach 45 Beitragsjahren eine Altersrente in Höhe des Existenzminimums zu erreichen. Das gilt auch für die so genannten Aufstocker. Fast jeder dritte Hartz-IV-Empfänger in Schleswig-Holstein ist zugleich erwerbstätig.

 

Auf diese Entwicklungen wollen die 35 anerkannten Schuldnerberatungsstellen in Schleswig-Holstein im  Rahmen der bundesweiten Aktionswoche aufmerksam machen. Unter dem Motto „Arm und überschuldet – trotz Arbeit“ bieten sie zusätzliche Feierabendsprechstunden sowie Telefonberatungen, Diskussionsveranstaltungen und Vorträge an. In Neumünster wird eine lange Nacht der Schuldnerberatung vorbereitet. Damit soll Betroffenen ein niedrigschwelliges Angebot für eine erste Beratung gemacht werden. Mehr Informationen zu den Veranstaltungen bietet das Internet unter www.schuldnerberatung-sh.de.

Die Schuldnerberatungsstellen sind in Schleswig-Holstein flächendeckend vertreten. Sie bieten Betroffenen im aktuellen oder sich abzeichnenden Notfall schnelle Unterstützung an. „Dabei ist Überschuldung mehr als nur ein materielles Problem. Sie hat gravierende Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien. Die Bedrohung der existentiellen Grundlage führt in die soziale Isolation und belastet erheblich die physische und psychische Gesundheit“, so Alis Rohlf. Die Beratungsstellen unterstützen die hilfesuchenden Menschen, ihre  Lebensverhältnisse zu stabilisieren. Dazu gehört ganz wesentlich der Erhalt des Arbeitsplatzes.

 

Für Rückfragen:

Alis Rohlf, Leiterin Koordinierungsstelle Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein

Tel: 04331-593 249

 

Friedrich Keller, Pressesprecher, Diakonisches Werk Schleswig-Holstein

Tel: 04331-593 197