Corona: Große Herausforderung für die Wohnungslosenhilfe

Seit Ausbruch der Corona-Krise mehren sich die Anzeichen, dass sich die Lage der von Wohnungslosigkeit bedrohten oder betroffenen Menschen verschärft.

Die Zahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten oder betroffenen Menschen in Schleswig-Holstein ist 2019 erneut gestiegen. Das ergibt die aktuelle Statistik der diakonischen Wohnungslosenhilfe. Die Diakonie befürchtet, dass sich angesichts der Corona-Krise die Wohnungslosigkeit im nördlichsten Bundesland weiter verschärft. Derweil passen die Beratungsstellen, Notunterkünfte und Tagestreffs ihre Angebote an die verhängten Kontakteinschränkungen und Aufnahmeverbote an.

Diakonie-Vorstand und Landespastor Heiko Naß mahnt einen gemeinsamen Kraftakt von Land, Kommunen und Gesellschaft an: „Seit Jahren steigt die Zahl der Wohnungslosen in Schleswig-Holstein. Das können und dürfen wir nicht länger mehr so hinnehmen. Auch wenn zurzeit die Corona-Krise im Vordergrund steht, muss endlich mehr bedarfsgerechter und bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Da stehen Land und Kommunen ganz klar in der Pflicht. Aber auch wir als Wohlfahrtsverband übernehmen hier Verantwortung. Darüber hinaus sollten wir dringend vermeiden, dass wegen der Corona-Krise weitere Menschen auf der Straße landen. Die Begleitung durch die Beratungsstellen und Tagestreffs muss daher sichergestellt werden.“

 

 

2019 haben 7.881 Menschen die Angebote der diakonischen Wohnungslosenhilfe in Anspruch genommen. Das waren gut 400 mehr als im Vorjahr und knapp 2.500 mehr als 2014. Brennpunkte sind nach wie vor die kreisfreien Städte Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster. Dabei dürfte die Dunkelziffer wesentlich höher liegen. Die diakonische Wohnungslosenhilfe ist zwar flächendeckend vertreten und kann daher mit ihren Zahlen gut einen Trend abbilden. Alle von Wohnungslosigkeit betroffenen oder bedrohten Menschen werden durch die Statistik aber nicht erfasst.  

Seit Ausbruch der Corona-Krise mehren sich die Anzeichen, dass sich die Lage der von Wohnungslosigkeit bedrohten oder betroffenen Menschen verschärft. Mitarbeitende von Beratungsstellen und Tagestreffs berichten von Klienten, die bislang bei Bekannten untergekommen waren oder in prekären Mietverhältnissen lebten und jetzt herausgeworfen werden. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Ersatzwohnraum zu finden oder diese Menschen in Notunterkünften unterzubringen. In den Unterkünften herrscht zurzeit ein von der Landesregierung verhängter Aufnahmestopp für neue Klientinnen und Klienten, um das Ansteckungsrisiko zu vermindern.

Die Beratungsstellen und Tagestreffs unternehmen alles, um zumindest ein Basisangebot aufrecht zu erhalten. So dürfen Betroffene vielerorts immer noch ihre Post abholen, Wäsche waschen oder duschen. Ein längerer Aufenthalt ist aber nicht mehr möglich. Auch die Ausgabe von warmen Mahlzeiten musste in zahlreichen Tagestreffs eingestellt werden. Alternativ werden Lunchpakete ausgegeben. Die Stadt.Mission.Mensch in Kiel hat die spendenfinanzierte Kampagne „Sattmission“ ins Leben gerufen und lässt mit Hilfe von verschiedenen Restaurants täglich ca. 250 warme Mahlzeiten kochen und verteilen. Darüber hinaus hat die Diakonie landesweit das Winternotprogramm verlängert und gibt bei Bedarf weiter Schlafsäcke und warme Kleidung aus.

 

 

Auch die Beratung von Wohnungslosen muss in vielen Fällen auf ein Mindestmaß reduziert werden, unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Erschwerend kommt hinzu, dass es in den meisten Einrichtungen an Schutzkleidung und Atemmasken mangelt. Vor diesem Hintergrund haben die Einrichtungen etwa in Kiel und Lübeck begonnen, ihrer Angebote räumlich zu entzerren, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. „Das Engagement der Mitarbeitenden der Wohnungslosenhilfe kann nicht genug gewürdigt werden“, sagt Diakonie-Vorstand und Landespastor Heiko Naß. „Sie unternehmen alles Menschenmögliche, damit die Wohnungslosen in dieser schwierigen Situation weiter unterstützt werden können.“

Neben den kurzfristigen Herausforderungen verfolgt die Diakonie weiter ihre langfristigen Projekte, um Wohnungslose mit bedarfsgerechten Wohnraum zu versorgen. So mieten die Vorwerker Diakonie und die Stadt.Mission.Mensch in Kiel in Zusammenarbeit mit den Kommunen Wohnungen an, um diese dann an Betroffene unterzuvermieten. Aus Sicht der Diakonie wäre es wünschenswert, wenn das Land diese Angebote stärken könnte, zum Beispiel durch die Einrichtung eines Mietsicherungsfonds oder indem der zusätzliche Verwaltungsaufwand gefördert wird. Andere diakonische Träger planen und bauen Wohnraum für benachteiligte Menschen, zum Beispiel in Kiel und in Norderstedt.  „Am Ende wird es aber darauf ankommen, das Land und Kommunen den sozialen Wohnungsbau kräftig ankurbeln“, so Diakonie-Vorstand und Landespastor Heiko Naß. „Nur so kann nachhaltig ausreichend bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden.“

 

Hier finden Sie die aktuelle Wohnungslosenstatistik der Diakonie Schleswig-Holstein zum Download

 

 

Hier gibt's alle Infos zum Thema Corona:

www.diakonie-sh.de/corona