Abend der Begegnung: Wie KI die Soziale Arbeit verändert

Die Diakonie fördert den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Sozialen Arbeit. Dabei müssten aber immer die Anliegen der Mitarbeitenden und das Schutzbedürfnis der Rat- und Hilfesuchenden berücksichtigt werden, so Landespastor und Diakonievorstand Heiko Naß beim Abend der Begegnung in Büdelsdorf. Zum Jahresempfang des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein waren rund 300 Gäste aus Politik, Kirche, Gesellschaft und diakonischen Einrichtungen gekommen, darunter Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke und die Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein Nora Steen.

© Diakonie/ Czok

Zahlreiche diakonische Einrichtungen in Schleswig-Holstein arbeiten schon heute daran, KI in die Soziale Arbeit zu integrieren. Felder sind die Dokumentation, KI-gestützte Assistenzsysteme oder die Hilfeplanung. Dabei arbeiten die Einrichtungen in vielen Fällen mit den Hochschulen im Land zusammen. Die Chancen und Risiken von KI in der Sozialen Arbeit standen beim Abend der Begegnung im Mittelpunkt einer Talkrunde mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Diakonie und aus der Praxis. 

© Diakonie/ Czok

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke sagte: „KI in der Sozialen Arbeit bedeutet keine einzelne Maßnahme – sondern ist ein durchgehender Prozess entlang der gesamten Bildungsbiografie. Von der Schule, die kritisches Denken fördert, über die Ausbildung, die Anwendungskompetenz vermittelt, bis hin zur Fachpraxis, in der kontinuierliches Lernen und Erfahren ermöglicht wird. Unser Ziel muss es sein, Fachkräfte zu stärken – und nicht durch Künstliche Intelligenz zu ersetzen."

© Diakonie/ Czok

Landespastor und Diakonievorstand Heiko Naß hob hervor: „Wir sehen ganz klar die Chancen, die die Künstliche Intelligenz für die Soziale Arbeit bietet, gerade angesichts des Fachkräftemangels. Pflegekräfte können bei der Dokumentation entlastet, Menschen mit Beeinträchtigung durch KI-basierte Sprachsysteme in der Tagesstruktur unterstützt und die Hilfeplanung in der Kinder- und Jugendhilfe vereinfacht werden. Das verschafft den Mitarbeitenden mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben und die Arbeit mit den Menschen. Wir müssen aber immer auch die Risiken im Blick behalten. Dazu gehören vor allem Fragen des Datenschutzes und des Schutzes der Persönlichkeitsrechte. Hinzu kommen ethische Fragen: Was passiert, wenn KI von Ratsuchenden zunehmend als menschliches Gegenüber wahrgenommen wird? Was bedeutet die KI für bestehende Arbeitsplätze?“

© Diakonie/ Czok

Doreen Boniakowsky und Dana Hieronimus von der Diakonie Nord Nord Ost berichteten viel Positives vom Einsatz der KI in den Bereichen der Pflege und Eingliederungshilfe. Sie verwiesen gleichzeitig auf den hohen organisatorischen und personellen Aufwand. „KI in der Sozialen Arbeit ist kein Selbstläufer“, so Doreen Boniakowsky. „Die Mitarbeitenden müssen geschult und mitgenommen werden. Es geht nicht nur um die reine Bedienung von KI-gestützten Systemen, sondern auch um deren Verständnis und den souveränen Umgang damit. Auch müssen die Arbeitsprozesse neu gedacht, angepasst und gemeinsam mit den Mitarbeitenden entwickelt und umgesetzt werden. Hinzu kommen die hohen Kosten für Anschaffung, Betrieb, Lizenzen und Schulungen. Das finanzieren wir bislang überwiegend aus Projektmitteln, stoßen damit allerdings an Grenzen. Um KI-gestützte Systeme in der Wohlfahrt flächendeckend und auch bei kleineren Trägern etablieren zu können, bedarf es einer Regelfinanzierung.“

© Diakonie/ Czok

Der Sozialpädagoge und Publizist Reinhold Gravelmann forderte eine stärkere Debatte über den Einsatz von KI in der Sozialen Arbeit: „Die Spannweite beim Themenfeld KI ist riesig und reicht von Begeisterung bis Ablehnung, von hohem Kenntnisstand bis hin zu minimalem Wissen und Ablehnung. Es gibt viele Einrichtungen, die voran gehen, andere reagieren zurückhaltend. Wichtig ist es, das Thema KI aufzugreifen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Fragen von Digitalisierung und KI einzubeziehen. Zwar sind professionsspezifische, ethische und kritische Auswirkungen in den Blick zu nehmen, aber zugleich gilt es, die Vorteile zu sehen, anzuerkennen und zu nutzen, die KI bietet.“

© Diakonie/ Czok

Die Diakonie ist einer der großen Wohlfahrtsverbände in Schleswig-Holstein mit rund 1.700 Einrichtungen und 48.000 Beschäftigten.Im Zentrum unserer Arbeit stehen Kinder, Jugendliche und Familien, Menschen in Not, Pflegebedürftige, Kranke, Menschen mit Behinderungen sowie Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten.