Hoffnungszeichen diakonischer Arbeit

Dieses Jahr auf dem Tourenplan: Das Team der Pflege Diakonie Am Stahlwerk in Neumünster. Die Mitarbeitenden können mit Umbrüchen umgehen. Sie setzen auf Vertrauen und Ehrlichkeit untereinander und gegenüber den Pflegebedürftigen. Was auf jedenfalls für Zusammenhalt sorgt, sind die gemeinsamen Aufgaben in der ambulanten Pflege, dem betreuten Wohnen und der Demenz-Wohngruppe.

Fachkräftemangel, Kürzungen bei der Sozialen Arbeit, mangelnder Reformwillen – es fällt nicht immer ganz leicht, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Dabei gibt es sie, die vielen Hoffnungszeichen. Um diese zu erkennen, lohnen sich Besuche in den zahlreichen diakonischen Einrichtungen im Land. Rund 49.000 Mitarbeitende und Beschäftigte setzen sich tagtäglich für andere Menschen ein und leisten ihren Anteil für den Zusammenhalt in unserem Land.

Zweimal im Jahr besuchen wir eine Woche lang mehrere Teams in ganz Schleswig-Holsteins und sprechen mit ihnen über ihre Tätigkeiten, ihr Engagement und ihre Werte. Diese Gespräche bestärken die Mitarbeitenden und spiegeln ihr Engagement und Herzblut für ihre Arbeit wider.  Zehnmal waren wir bereits auf Wertetour und haben seit 2022 50 Teams besucht. Was wir in diesem Jahr erlebt haben, zeigen folgende Beispiele. 

Team Buntes Haus in Norderstedt© Diakonie/ Keller

Kita Buntes Haus in Norderstedt

„Die Seele hat Frieden“ - das ist für die Mitarbeiterinnen der inklusiven Kita „Buntes Haus“ gleichzeitig Ziel und beobachtete Realität. Die Kita in Norderstedt ist vor 50 Jahren als Einrichtung gestartet, die nur Kinder mit Behinderungen aufnahm. Einige Jahre später startete sie die Inklusion in die umgekehrte Richtung - nun dürfen auch Kinder ohne Beeinträchtigung das Bunte Haus besuchen. Aus der großen Vielfalt der 110 Kinder zwischen null und sieben entsteht hier eine Einheit, in der alle mit ihren Besonderheiten gesehen werden - die Seele hat Frieden. Das Team schafft dabei nicht nur für die Kinder ein gutes Umfeld, auch die Eltern profitieren von der zuverlässigen Entlastung. „Glückliche Eltern“ ist daher das eher ungewöhnliche Ziel des Kita-Teams.

Team Jugenderholungsdorf in St. Peter-Ording© Diakonie/ Noack

Ev. Jugenderholungsdorf in St. Peter-Ording

Im Ev. Jugenderholungsdorf in St. Peter-Ording entstehen Erinnerungen: an Abende in der Pyjama-Disco, Gummistiefel-Weitwurf oder Taufen mit Nordsee-Wasser. Hier erleben Kinder- und Konfigruppen, Schulklassen oder Familien gemeinsame Zeit. Sie bleiben für eine Woche oder werden zu Stammgästen. Das 25-köpfige Team sorgt in der Saison dafür, dass der Abschied möglichst schwerfällt: Mit sauberen Häusern, einer ausgefeilten Logistik und leckerem Essen. Zusammen bringen sie mehrere hundert Jahre Zugehörigkeit zum Jugenddorf aufs Feld: „Wir ergänzen uns so gut, weil wir so unterschiedlich sind. Was sie beobachten: Es gibt immer weniger Freizeitfahrten für Kinder aus benachteiligten Familien, dabei haben diese besonders von der Zeit an der Nordsee profitiert.

Team Beratungsstelle für Frauen in Kiel© Diakonie/ Noack

Beratungsstelle für Frauen in Kiel

Man muss ziemlich fit sein als wohnungslose Frau: Alle Fußwege zu Ämtern und Übernachtungsstelle ablaufen, die Regeln dort einhalten, mit fremden Zimmergenossinnen klar kommen und versiert ein Smartphone für digitale Anträge u.ä. nutzen können. In die Frauenberatungsstelle in Kiel können die Frauen kommen, wie sie sind. Im Tagestreff und in der Beratung gehen die Mitarbeiterinnen auf Schatzsuche: Welche Erfahrungen, welche Netzwerke, welche Kompetenzen geben Halt? Manchmal werden so aus Besucherinnen Expertinnen, die für die anderen tolle Gerichte oder neue Frisuren schaffen. Hier geht es um das Zusammenbringen. Der Weg aus der Wohnungslosigkeit ist oft sehr lang. Die Zuständigkeit für die Kostenübernahme wird hin und hergeschoben, Menschen sollen in Systeme passen. In der Beratungsstelle geht es um Existenzsicherung: „Es ist so sinnvoll, was wir tun!“ Das klappt für das Team nur im Vertrauen aufeinander.

Team Lebenshilfe Stormarn© Diakonie/ Noack

Lebenshilfe Stormarn in Ahrensburg

Was ist schon normal? Ist es ein Zeichen von Normalität, wenn bei einem klassischen Konzert neben Rollatoren auch Rollstühle stehen? Oder heißt Normalität, dass niemand von der Beeinträchtigung eines Kindes weiß? Selbstbewusste Sichtbarkeit und Akzeptanz sind für das Team der Lebenshilfe Stormarn Schritte zu einer neuen Normalität. Sie unterstützen Kinder, junge Menschen und Erwachsene mit Beeinträchtigungen im Alltag. Dabei erleben sie Elternsorgen vor Stigmatisierungen genauso wie lauten Widerspruch, wenn jemand im Supermarkt abfällige Bemerkungen über Menschen mit Behinderungen macht. „Alle Menschen sollten Teil unserer Gesellschaft sein“, fordern sie und fragen: „Wer ist in der Pflicht, das möglich zu machen – die Menschen mit Beeinträchtigungen oder die anderen?“