Laut aktuellem Bericht zur sozialen Situation von Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein leben 13,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Herzogtum Lauenburg von Transferleistungen, dazu zählt die Grundsicherung. Im gesamten Bundesland sind 14,3 Prozent auf staatliche Leistungen angewiesen. Für sie und ihre Familien ist das tagtägliche Leben eine Herausforderung: Gestiegene Preise für Lebensmittel und Energie, hohe Mieten und kaum Geld für die Freizeitgestaltung sind eine zunehmende Belastung.
Bei dem Aktionstag kamen Jugendliche aus Ratzeburg und Umgebung zu Wort. Hier einige Zitate: „Eine Ausbildung zu finden, ist sehr schwer“, „Die Wohnsituation ist sehr beengt. Dadurch kann ich mich in der Schule nicht gut konzentrieren“, „Meine Eltern verbringen viel Zeit mit Anträgen“, „Ich brauche ein Fahrrad, um von A nach B zu kommen“, „Ohne Deutsch ist echt alles schwer“, „Ich wohne auf dem Dorf. Es ist schwierig, am Wochenende wegzukommen.“
Über ihre Probleme, Sorgen und Wünsche konnten sich die Jugendlichen mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Wohlfahrt und Kirche austauschen. Es ging um mangelnde ÖPNV-Angebote auf dem Land, schlechte Bildungschancen für Kinder aus Familien, die von Armut betroffen sind, Mangel an bezahlbarem Wohnraum und Probleme bei der Gesundheitsversorgung. An Thementischen suchten sie gemeinsam nach Lösungen. Dazu gehören die Forderungen nach mehr und verlässlichen Anrufbussen, schnellen Terminen bei Fachärzten auch für gesetzlich Versicherte, einer besseren Unterstützung von Jugendlichen in Armut, die das Abitur machen wollen, und mehr bezahlbarem Wohnraum auch auf dem Land.
Die Forderungen der Jugendlichen sammelt das Diakonische Werk Schleswig-Holstein und bereitet sie weiter auf. Sie sind Grundlage für Gespräche mit Politik und Verwaltung. Abgesehen davon hat der Aktionstag gezeigt, wie wichtig es ist, nicht allein über Jugendliche in Armut zu sprechen, sondern sie als Expertinnen und Experten in eigener Sache zu hören und ernst zu nehmen.
