„Mit unserem Sommerfest wollen wir den Blick auf die Menschen richten, die häufig im Alltag übersehen werden - das gehört aus meiner Sicht auch zu meinen Aufgaben als Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages. Menschen in schwierigen Lebenslagen dürfen nicht auf ihre Notlage reduziert werden. Sie gehören zu unserer Gesellschaft – mit derselben Würde, mit denselben Rechten und mit demselben Anspruch darauf, gehört und gesehen zu werden“, sagte Kristina Herbst nach der Eröffnung des Festes. Das Grillfest solle deshalb vor allem Raum für persönliche Begegnungen schaffen: „Wir wollen nicht übereinander, sondern miteinander reden. Denn hinter Wohnungslosigkeit stehen immer einzelne Menschen, persönliche Geschichten und sehr unterschiedliche Lebenswege.“
Landespastor und Diakonievorstand Heiko Naß sagte: „Solange es in Schleswig-Holstein nicht genug bezahlbaren Wohnraum gibt und zugleich die Mieten ständig steigen, werden wir das Ziel, die Wohnungslosigkeit bis 2030 zu beseitigen, nicht erreichen. Deswegen benötigen wir eine starke Wohnungslosenhilfe mit Angeboten im ganzen Land. Die Mitarbeitenden können präventiv helfen, damit Menschen in Notlagen gar nicht erst ihre Wohnung verlieren. Bei Verlust der eigenen vier Wände setzen die Beratungsstellen alles daran, die Betroffenen zu stabilisieren und gemeinsam mit ihnen Perspektiven zu erarbeiten. Da aber immer mehr Menschen die Wohnungslosenhilfe in Anspruch nehmen und die Fälle immer komplexer werden, geraten die Angebote zunehmend an ihre Grenzen. Hier benötigen wir eine bessere Finanzierung!“
In Schleswig-Holstein waren zum Stichtag am 31. Januar 2026 knapp 29.000 Menschen in einer Notunterkunft untergebracht. Hinzugerechnet werden müssen von Wohnungslosigkeit Betroffene, die bei Freunden oder Verwandten unterkommen oder auf der Straße leben. Die Angebote der Diakonischen Wohnungslosenhilfe nahmen 2025 mehr als 10.000 Menschen in Anspruch, in Norderstedt waren es 548. Brennpunkte der Wohnungslosigkeit sind Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster sowie die Westküste und das Hamburger Randgebiet.
Die Diakonie ist im Bereich der Wohnungslosenhilfe der größte Anbieter in Schleswig-Holstein mit insgesamt 36 Beratungsstellen, Tagestreffs und Notunterkünften. Hinzu kommen die Bahnhofsmissionen als wichtige Anlaufpunkte. Finanziert werden die Angebote vom Land und den Kommunen und im Fall der Bahnhofsmissionen aus Kirchensteuermitteln.
