Welche Bedeutung die Eingliederungshilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen hat, davon überzeugten sich heute (9. Juli) Sozialstaatssekretär Johannes Albig und Diakonievorstand Heiko Naß bei dem Besuch einer Werkstatt und einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen in Heide. In den Einrichtungen des Herbert Feuchte Stiftungsverbunds stehen Menschen im Mittelpunkt, die in ihrer Kommunikation beeinträchtigt sind. Der Besuch fand im Rahmen der Kampagne „Wohlfahrt: Demokratie in Aktion“ statt. Die Wohlfahrtsverbände in Schleswig-Holstein wollen damit die Relevanz ihrer Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hervorheben.
Sozial-Staatssekretär Johannes Albig: „Die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist ein demokratisches Grundprinzip. Sie haben ein Recht darauf, die Unterstützung zu bekommen, die für sie die richtige ist. Dieser Rechtsanspruch darf nicht in Frage gestellt werden! Menschen mit Behinderungen brauchen einen Sozialstaat, der verständlich, einfach und verlässlich funktioniert. Es ist wichtig, dass Reformen angestoßen werden, damit Verfahren einfacher, digitaler und bürokratieärmer werden. Wir müssen Leistungen besser zu den Menschen bringen und sie dabei nicht bevormunden, sondern stärken. Auf Bundesebene hat man jedoch den Eindruck, dass dort Sparpotentiale vor die Belange der Betroffenen gestellt werden. Diesen Weg gehen wir nicht mit.“
Diakonievorstand Heiko Naß: „Um Teil des Gemeinwesens sein zu können, müssen die Barrieren abgebaut werden, die eine Teilhabe beschränken. Der Herbert Feuchte Stiftungsverbund zeigt, wie die Eingliederungshilfe Menschen mit einer Hör- und /oder Sprachschädigung für die gesellschaftliche und demokratische Teilhabe stärkt. Dazu gehören auch das selbstbestimmte Wohnen und Arbeiten. Diese Chance sollten wir als Gesellschaft den Betroffenen aus rein finanziellen Gründen nicht verwehren. Außerdem dürfen wir nicht zulassen, dass populistische Kräfte die Inklusion wieder zurückdrehen und Menschen mit Beeinträchtigungen an den Rand der Gesellschaft drängen.“
Die Diakonie und die anderen Wohlfahrtsverbände sehen mit Sorge, dass die Eingliederungshilfe zunehmend nur noch als Kostentreiber gesehen wird. In dieser Debatte würden aber Tarifanpassungen, notwendige Investitionen und die steigende Zahl von Menschen mit Beeinträchtigungen außer Acht gelassen. Das dürfe nicht dazu führen, dass das Versprechen des Bundesteilhabegesetzes, jedem Betroffenen eine passende Unterstützung zu ermöglichen, gebrochen wird. Vielmehr müsse echte Teilhabe für alle Menschen sichergestellt werden.
Gleichzeitig zeigen sich die Diakonie und die Partnerverbände offen für eine konstruktive Debatte über die Zukunft der Eingliederungshilfe. Voraussetzung sei eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens. Dabei sehen die Verbände auch Einsparpotentiale, etwa durch den Abbau der sehr kostenintensiven Bürokratie.
