Bald schuldenfrei?

© Diakonie/ Jonas Czok
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Ein wichtiges Indiz für Armut im Land ist die Zahl der überschuldeten Menschen. Diese verharrt seit Jahren auf hohem Niveau. Laut aktuellem Schuldenreport der Koordinierungsstelle Schuldnerberatung Schleswig-Holstein ist die Zahl der Schuldnerberatungen im Vergleich zu 2022 zwar leicht zurückgegangen auf 26.908. Der Rückgang hat aber nichts mit der tatsächlichen Nachfrage zu tun: Weil die Fälle immer komplexer und aufwendiger werden und damit mehr Beratungszeit benötigen, müssen auch die 18 diakonischen Beratungsstellen immer wieder Ratsuchende vertrösten. 

Beratungsstellen unter Druck

Hinzu kommt: Die Träger der Beratungsstellen stehen finanziell massiv unter Druck. Tarifliche Lohnsteigerungen und inflationsbedingt hohe Miet- und Energiekosten belasten die Budgets. Weder das Land Schleswig-Holstein noch viele Kommunen haben diese Kostensteigerungen ausgeglichen. Erste Träger mussten deshalb schon Stellenanteile in der Schuldnerberatung streichen, weitere Abstriche bei den Angeboten sind geplant. 

Demo vor dem Landtag

Vor diesem Hintergrund sind wir im September 2024 gemeinsam mit anderen Verbänden und den Mitarbeitenden unserer Beratungsstellen vor dem Landtag in Kiel auf die Straße gegangen. Neben Plakaten, Rasseln und Trillerpfeifen hatten wir ein Positionspapier im Gepäck, das wir den Abgeordneten überreicht haben. Hauptforderung: Die auskömmliche und nachhaltige Finanzierung der Schuldnerberatungsstellen. 

Ganzheitlicher Ansatz

Trotz aller Probleme leisten die Schuldnerberatungsstellen eine wertvolle Arbeit. Es geht immer darum, zunächst einen Ausweg aus der akuten finanziellen Notlage zu finden und dann gemeinsam mit den Ratsuchenden eine nachhaltige Perspektive raus aus der Überschuldung zu erarbeiten. Da Überschuldung für die Betroffenen oft massive psychische, gesundheitliche und soziale Folgen hat, ist Schuldnerberatung immer auch soziale Arbeit, die den Menschen in seiner Gesamtheit in den Blick nimmt.

Aktionswoche

Tue Gutes und rede darüber! Das beherzigen die Schuldnerberatungsstellen einmal im Jahr bei der Aktionswoche Schuldnerberatung, zuletzt im Juni 2025. Wieder gab es in ganz Schleswig-Holstein Sonderberatungen, Infostände und Präventionsveranstaltungen. Motto der Aktionswoche 2025 war „Beste Investition – Finanzbildung.“ Hintergrund: In Zeiten, in denen der finanzielle Druck wächst, machen sich immer mehr Menschen Sorgen darum, wie sie mit ihrem Geld auskommen, was ihnen die Zukunft bringt. Finanzielle Bildung ist weit mehr als der bloße Umgang mit Geld. Sie ist der Schlüssel zu Eigenverantwortung, Teilhabe und einem selbstbestimmten Leben.

Kontakt

Martin Buhmann-Küllig

Martin Buhmann-Küllig

Schuldnerberatung